Die tiefen Streicher intonieren dieses Thema sehr ausdrucksvoll. Das Philharmonia Orchestra unter der energischen Leitung von Andre Cluytens greift diese Melodie leidenschaftlich auf, sie geht geradezu geheimnisvoll in das Allegro non troppo über. Aus rhythmischer Straffung kommt neue, verbissene Energie. Und die langsame Episode kehrt wieder - und das Allegro erscheint noch erregter und trotziger als zuvor! Auffallend setzt das zweite Thema in den Geigen ein. Der Durchführungsteil besitzt Elemente beider Themen, doch die Lento-Frage bleibt unbeantwortet. In wahrhaft bedrohlicher Wucht reckt sich am Schluss dieser erhaben wirkenden Interpretation das erste Thema übergroß auf und mündet in einen unerwarteten Dur-Aufschwung! Über trauermarschartigen Klängen mit Streichern und Harfe stimmt im Allegretto das Englisch-Horn eine romanzenhafte Melodie an. Die schwermütige Stimmung des ersten Satzes schwingt in bewegender Weise weiter. Versöhnlich antwortet der breit strömende Gesang der Streicher. Und den scherzoartigen Mittelteil erfüllt eine unheimliche Unruhe, die die Romanzen-Melodie nicht verhindern kann. Die Farbtönung der Melodien gelingt hier wunderbar. Im resignierenden Erlöschen zeigt sich stimmungsvoll ein kunstreicher Satz, scheint aber auch das französische Flair berührend hervor. Das Allegro non troppo lässt Hauptthemen des ersten und zweiten Satzes aufscheinen und überwindet die lastende Schwermut. Das zeigt das Philharmonia Orchestra unter Cluytens eindringlich. Verklärung und Sieg folgen triumphal am Schluss!
Der legendäre Geiger Igor Oistrach ist dann der glänzende Solist beim überaus expressiv gestalteten Violinkonzert in d-Moll von Aram Khachaturian, wo ihn die Musiker des Philharmonia Orchestra unter Andre Cluytens konzentriert und einfühlsam begleiten. Dem sowjetischen Stargeiger Oistrach ist dieses Meisterwerk auch gewidmet. Dvorak und Tschaikowsky sind zwar erkennbar, mindern jedoch nicht die Eigenständigkeit. Das Konzert ist eleganter und weniger wuchtig als Khachaturians Klavierkonzert. Diese Musik ist aus dem Wesen der Geige erfunden worden, was Igor Oistrach wunderbar verdeutlicht. Das motorische Hauptthema des ersten Satzes wirkt überaus vorwärtstreibend - und das zweite Thema erscheint geheimnisvoll als armenisch getönte Melodie. Das erste Thema gewinnt nach der Reprise erst wieder bei der gewaltigen Coda an Fundament. Ein sphärenhafter Walzer beherrscht das Andante sostenuto. Und das Rondothema des Finales wird hier erfrischend und atemlos-rasant musiziert. Die breite Melodie des Solisten besitzt innere Glut mit gefühlvollen Kantilenen. Man hat dieser Komposition zu Unrecht die fehlende Beziehung zur Musiksprache unserer Zeit vorgeworfen. Igor Oistrach beweist das Gegenteil. Dem energischen Fanfarenmotiv folgen glitzernde Umspielungen! In filigranen Kaskaden leuchtet auch das markante Thema des Zwischenspiels auf.
Sehr empfehlenswert.


