Denn Marie-Antoinette und ihr Ehemann König Ludwig XVI. sind Figuren im Jetzt, sie warten im Palast von Versailles auf ihre Hinrichtung. Grund genug, ungeduldig zu werden und sich einfach selbst eine Guillotine zu basteln. Nur funktioniert diese noch nicht einwandfrei und köpft Madame Dubarry, die abgelegte Geliebte von Ludwig XV. Zusätzlich müssen beide Brot für das Volk backen, wenn sie diesem schon keinen Kuchen anbieten können: Als besonderes Element der Inszenierung kommen auf der Bühne Brotbackautomaten zum Einsatz.
«Das Volk wird betrogen! Bei uns war immerhin klar von wem, und jetzt ist es einfach nur – komplizierter!», sagt Ludwig im Stück. Für Schauspielleiter Peter Hilton Fliegel ein zentraler Satz des Stücks. Mitten in einem Prozess der Demokratisierung versuchen Marie-Antoinette und Ludwig, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass sie noch Königin und König wären, obwohl sie längst hätten verstehen müssen, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Und parallel dazu wollen die Revolutionäre zwar freie Wahlen einführen, interessieren sich aber genauso wenig für das einfache Volk wie die Monarchen, und erkennen deshalb nicht, dass Demokratie ohne mündige Bürger nicht funktionieren kann. So durchdringt die Komik des Stücks alle Facetten eines politischen Umbruchs, ist nicht bloße Überzeichnung – und schon gar kein Selbstzweck.
/ durchgesehen und ergänzt von Leonhard Koppelmann
| INSZENIERUNG | Matthias Thieme |
| BÜHNE & Kostüme | Heike Mondschein |
| DRAMATURGIE | Peter Hilton Fliegel |
| LICHT | Frauke Richter |
| MARIE ANTOINETTE | Angelika Hofstetter |
| LUDWIG XVI. | Frank Auerbach |
| JEAN PIERRE, KARDINAL DE ROHAN, GUILLAUME DE LA TOUR, ROBESPIERRE | Kay Krause |
| CÉCILE, MADAME DUBARRY, NAPOLEON BONAPARTE (10 J.), JUNGER REVOLUTIONÄR | Anna Caterina Fadda |
| REGIEASSISTENZ & INSPIZIENZ | Finn Lorenzen |
| SOUFFLAGE | Lea Beckmann |
Weitere Termine:
10.04., 17.04., 23.04., 13.05., 30.05. / 19:30 Uhr
24.05. / 15:00 Uhr


