Astrid lädt ihren Vorgesetzten, den irgendwie etwas verklemmt wirkenden Schulleiter Wolfram Balderkamp, zu sich nach Hause ein. Balderkamp möchte über einen "Vorfall" sprechen, der auf einer Klassenfahrt nach Trier stattgefunden haben soll. Klara ist unangenehm berührt, denn sie hält diesen Schulleiter für ein "Arschloch". Astrid möchte ihr das ausreden, doch Klara bleibt stoisch bei hrer Meinung. Balderkamp unterrichtete an derselben Schule, auf der sie als Schülerin ihre jetzige Lebensgefährtin Astrid kennenlernte. Das Motto heißt jetzt "Raus aus der Grauzone" - denn die beiden Frauen sind lesbisch. Und der zuweilen etwas verlegen wirkende Schulleiter kommt mit dieser Situation nur schwer zurecht.
Die drei hervorragenden Schauspieler Schirin Brendel als Astrid, Esrah Ugurlu als Klara sowie Burkhard Wolf als Wolfram machen überzeugend deutlich, wie sich das von Balderkamp gewobene Spinnennetz allmählich in unheimlicher Weise zusammenzieht. Versteckte Drohungen und Andeutungen bringen schließlich die Wahrheit grell ans Licht. Balderkamp beschuldigt Astrid, ihrer jetzigen Schülerin Ellen Babic auf der Klassenfahrt zu nah gekommen zu sein. So verwandelt sich das Wohnzimmer der beiden Frauen in ein gefährliches Minenfeld, wo Macht und Schuld dominieren. Denn jetzt steht sexueller Missbrauch im Raum, weil der Vater von Ellen Babic sich bei Balderkamp in diesem Sinne beschwert hat und mit Astrid nicht reden möchte.
Dass die Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Deutschland noch lange nicht erreicht ist, macht dieses Stück eindrucksvoll deutlich. Es geht natürlich auch um die zentrale Frage, wer von wem abhängig ist und wer über wen Macht ausübt. Wer lügt und wer die Wahrheit sagt, tritt hier plötzlich immer drastischer hervor. Obwohl der ledige Schulleiter behauptet, keinen Körpergeruch zu haben, besteht die wütende Lehrerin Astrid auf dem Gegenteil. Er rieche gelegentlich sogar nach "Katzenpisse". Es gelingt dem Schulleiter aber, das Misstrauen der beiden Frauen untereinander zu schüren. Gleichzeitig erfährt man, dass er Astrid jahrelang belästigt hat. Damit setzt sie ihn unter Druck, nachdem er ihr gedroht hat, die Sache an die Schulbehörde weiterzuleiten und Astrid vor Gericht zu bringen. Zuletzt zieht er einfach seine Hose aus, weil sie von Klara unter Wasser gesetzt wurde. Er verlässt den Raum und geht.
Die Erotik des Unterrichtens entfaltet hier eine seltsame Wirkung. Schließlich rät Klara ihrer Freundin sogar, den Verführungsversuchen des Schulleiters nachzugeben, nachdem er seinen Rücktritt von seinem Amt angekündgt hat und eigentlich Astrid zu seiner Nachfolgerin küren will. Das Ende des Stücks wirkt zwar irgendwie aufgesetzt, aber die schlagfertigen Dialoge und die beissende Gesellschaftskritik kommen nicht zu kurz. Es ist eben alles "komplett schulisch durchsaftet", wie Schulleiter Wolfram Balderkamp konstatiert. Das macht das Stück zum Sehvergnügen.
Viel Schlussapplaus und sogar Jubel für das gesamte Team!


