Vom 6. bis zum 11. Oktober 2026 laden das Theaterhaus Kleist Forum und das Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) mit Uraufführungen renommierter Ensembles und Schauspieler:innen, Diskussionen, einem Konzert und Museumsführungen zu einem Programm ein, das Kleists Werk mit aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Fragen verbindet.
Die diesjährigen Kleist-Festtage sind zugleich der Beginn des Prologs zum Jubiläumsprogramm „Kreuzungen – Intersections. 250 – Kleist“, mit dem im kommenden Jahr der 250. Geburtstag Heinrich von Kleists gefeiert wird. Bereits zur Eröffnung am Dienstag, dem 6. Oktober, wird die Grenze zwischen Frankfurt und Słubice zum künstlerischen Schauplatz: Mit der Performance „Ein Kleid für Käthchen“ der Bürgerbühne im Kleist Forum am Käthchen-Denkmal in Słubice beginnt der Abend, bevor das Publikum zum Kleist-Museum weiterzieht. Dort wird die „Offene Werkstatt“ des Künstlerinnenkollektivs Guerilla Architects eröffnet – ein Raum für Begegnung, künstlerische Aktionen und gemeinsames Denken. Bereits am 8. Oktober präsentieren dort Studierende der Europa-Universität Viadrina ihre Projekte zum Kleist-Jubiläum zwischen Forschung, Gestaltung und Wissenschaftskommunikation.
Auch im weiteren Festivalprogramm geht es um Grenzgänge und neue Perspektiven auf Kleist. In der Uraufführung „Kätzchen Käthchen“ der Bürgerbühne im Kleist Forum am Donnerstag, 8. Oktober (ausverkauft), begegnen sieben junge Performer:innen der Figur aus Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“ und fragen nach tradierten Frauenbildern, Identität und Selbstbestimmung. Einen Tag später sprechen Regisseurin Beata Anna Schmutz und Autorin Lea Langenfelder mit Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Gribnitz im Kleist-Museum über feministische Lesarten und den künstlerischen Prozess. Am 10. Oktober ist eine weitere Vorstellung von „Kätzchen Käthchen“ im Kleist Forum zu sehen.
Das Theaterhaus Kleist Forum zeigt neue und kritische Auseinandersetzungen mit klassischen Stoffen: Die „Orestie“ in der zeitgenössischen Fassung von Robert Icke mit u. a. Hannes Rittig und Judith Rosmair (Freitag, 9. Oktober) führt einen antiken Mythos in die Gegenwart und verhandelt Fragen von Rache, Recht und öffentlicher Urteilskultur. Mit „Kohlhaas (no limits)“ richtet das Theater Bremen am Festivalsonntag den Blick auf einen der radikalsten Texte Kleists: In der Inszenierung von Felix Krakau wird die Geschichte des Michael Kohlhaas zur Frage nach Recht und Gerechtigkeit, nach Widerstand und den Grenzen legitimer Mittel.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt außerdem auf der Gegenwartsdramatik. Am 7. Oktober wird im Theaterhaus Kleist Forum der Kleist-Förderpreis für neue Dramatik 2026 an den Autor Kaleb Erdmann für sein Stück „Debritz“ (ausverkauft) verliehen. Die anschließende Frankfurter Premiere der Inszenierung des Badischen Staatstheaters Karlsruhe in Koproduktion mit dem Kleist Forum erzählt von einer fiktiven ostdeutschen Kleinstadt, einer Solequelle und unterschiedlichen Vorstellungen von Zukunft, Vergangenheit und Heimat.
Darüber hinaus laden Best-of-Führungen im Kleist-Museum täglich dazu ein, die aktuelle Dauerausstellung (nur noch bis 11. Dezember 2026) erneut zu erleben und Heinrich von Kleist aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken – von seiner Sprache über seine Technikbegeisterung und seine Beziehung zu Wilhelmine von Zenge bis zu seiner Frankfurter Biografie.
Beim Theaterspaziergang „Alles Anders“ am 10. Oktober wird die Frankfurter Obere Stadt mit künstlerischen Methoden erkundet. Den musikalischen Höhepunkt der Kleist-Festtage gestaltet Chansonnier und Schauspieler Tim Fischer abends auf der Bühne des Kleist Forums mit seinem neuen Programm, in dem er einzigartige Chansons unterschiedlichster Herkunft zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen lässt: ob Zeitgenössisches von Thomas Pigor oder Sebastian Krämer oder zeitlos Klassisches von Georg Kreisler oder Jacques Brel.
„Die Kleist-Festtage zeigen jedes Jahr, wie lebendig, aktuell und inspirierend Kleist ist“, sagt Anke Pätsch, Direktorin des Kleist-Museums. „2026 geht es dabei besonders um die Kreuzungen, an denen Kleists Texte auf unsere Gegenwart treffen. Damit beginnen wir schon jetzt den Dialog, den wir im Jubiläumsjahr 2027 weiterführen werden.“
„Die sechs Festivaltage sind mit einem Feuerwerk der Bühnenkunst gefüllt. In einer enormen Dichte machen hochkarätige Gastspiele, Ko- und Eigenproduktionen im Theaterhaus Kleist Forum Literatur in einer ganz besonderen Weise lebendig", sagt Florian Vogel, der Künstlerische Leiter des Kleist Forums. „Dabei ist es gleichzeitig unser Anspruch, so nah wie möglich am Publikum zu sein. Beim Festivaltreff im Theaterrestaurant gibt es nach jeder Aufführung die Gelegenheit, mit den Künstler:innen und Ensembles ins Gespräch zu kommen und sich mit den anderen Festivalgästen auszutauschen.“
Ale Infos: www.kleistfesttage.de
Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Tickets gibt es an der Theaterkasse im Kleist Forum (ticket@muv-ffo.deoder 0335 4010-120 oder) und in der Deutsch-Polnischen Tourist-Information im Bolfrashaus (0335 610080-0) sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen in Frankfurt und Umgebung. Sie können auch bequem und gebührenfrei online unter www.kleistforum.de oder www.kleistfesttage.de bestellt werden.
Tickets für die Veranstaltungen im Kleist-Museum können nur an der Kasse im Kleist-Museum erworben bzw. per E-Mail (kasse@kleist-museum.de) oder telefonisch (0335 387221-30) vorbestellt werden.


