Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
KABALE UND LIEBE von Friedrich Schiller im Maxim Gorki Theaer BerlinKABALE UND LIEBE von Friedrich Schiller im Maxim Gorki Theaer BerlinKABALE UND LIEBE von...

KABALE UND LIEBE von Friedrich Schiller im Maxim Gorki Theaer Berlin

Premiere am Donnerstag, 24. Mai 2007, 19:30 Uhr.

 

In dem 1784 entstandenen „bürgerlichen Trauerspiel“ „Kabale und Liebe“ portraitiert Friedrich Schiller mit Luise und Ferdinand zwei junge Menschen, deren Liebe von den gesellschaftlichen Barrieren erdrückt wird, unsichtbaren Mauern, die um die beiden herum gebaut wurden und die sie so verinnerlicht haben, dass ihnen der Ausbruch nicht gelingt.

Luise, arm, aber in dieser Armut stolz, hat sich ausgerechnet in Ferdinand verliebt, einen schwärmerischen Politikersohn aus reichem Haus. Fasziniert von Luises Schönheit und ihrer unnachgiebigen Prinzipientreue will er sie unbedingt besitzen und zieht sie damit in die politischen Verstrickungen seiner Familie. Ferdinands Mutter, Präsidentin am Hofe, möchte ihren Sohn mit Lady Milford verkuppeln, die als Mätresse des Fürsten über keinen guten Ruf, aber über Einfluss verfügt. Der Sekretär Wurm will selbst Luise zu seiner Ehefrau machen und ist daher zu allem bereit, was deren Liebe zu Ferdinand zerstören könnte. Der stilbewusste Hofmarschall von Kalb schließlich ist sich für keine Intrige zu schade, wenn sie seine Position am Hof festigt und wird so zum willigen Vollstrecker der Pläne der Präsidentin. Auch für Luises Vater, den Musiker Miller, wird die Entscheidung zwischen der Aussicht auf sozialen Aufstieg und der Angst um die einzige Tochter zur Zerreißprobe. Hasserfüllt oder begehrend richten sich so alle Blicke auf Luise, die doch eigentlich nur zwei Dinge vom Leben wollte: Liebe und ein reines Gewissen. Mit brutaler Konsequenz demonstriert Schiller in dem Politthriller, dass diese zwei Dinge in einer Welt, in der Wert nur mit Währung übersetzt wird, das Leben kosten können.

 

Schiller ist 24 Jahre alt, als er eine der berühmtesten tragischen Liebesgeschichten verfasst. Er selbst ist gerade unglücklich in die adlige Charlotte von Wolzogen verliebt. Sie blieb für den bürgerlichen Schriftsteller unerreichbar fern. Und er sah mit Wut, wie verschwenderisch und intrigant sich die Herrschenden bei Hof gaben. Erfüllt von Zorn und unerwiderter Liebe verfasste er sein drittes Drama. Es sollte ein großer Publikumserfolg werden und ist seitdem nicht mehr aus den deutschen Theaterspielplänen wegzudenken. Noch immer erreichen uns Schillers universelle Botschaften: seine scharfe Kritik an der Politik und den Politikern, sein Unmut über die gesellschaftlichen Verhältnisse. Noch immer berührt die Unbeirrbarkeit der Liebe Luisas. Noch immer empört uns, wie diese Liebe politischem Kalkül und persönlichem Fortkommen geopfert wird.

 

Es spielen: Hilke Altefrohne (Lady Milford), Hanna Eichel (Luise), Ruth Reinecke (Präsidentin von Walter); Michael Klammer (Hofmarschall/Kammerdiener), Robert Kuchenbuch (Miller), Ronald Kukulies (Wurm), Florian Stetter (Ferdinand).

Regie: Florian Fiedler, Bühne: Annette Riedel, Kostüme: Selina Peyer

 

Die nächsten Vorstellungen: 27. und 31. Mai

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

SPIELTECHNISCHE RASANZ -- 6. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart unter Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

Ein abwechslungsreiches Programm präsentierte das Staatsorchester Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Cornelius Meister im Beethovensaal der Liederhalle. Gleich zu Beginn überzeugte die…

Von: ALEXANDER WALTHER

MUSIK UND WORT VEREINT -- Rothko String Quartet im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Ende 2022 wurden die Briefe von Ingeborg Bachmann und Max Frisch im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Sehnsuchtstöne, Eifersüchteleien und Streitgespräche wechseln sich ab. Amelie Schmidt (Rezitation)…

Von: ALEXANDER WALTHER

SPHÄRENHAFTES KLANGSPEKTRUM -- Werkstattfestival Studio Neue Musik & Campus Gegenwartim Konzertsaal der Musikhochschule STUTTGART

Wieder war Neues aus den Kompositionsklassen von Prof. Marco Stroppa und Prof. Martin Schüttler zu hören. Das Konzert I stellte Kompositionen von begabten Hochschulstudenten vor. Von der Koreanerin…

Von: ALEXANDER WALTHER

IMPROVISATION ZWISCHEN JAZZ UND KLASSIK -- Quatuor Ebene Waves im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

Seit über 20 Jahren feiert das Ensemble Quatuor Ebene mit Pierre Colombet (Violine), Gabriel Le Magadure (Violine), Marie Chilemme (Viola) und Yuya Okamoto (Violoncello) sowie Xavier Tribolet…

Von: ALEXANDER WALTHER

NEUES VOM SEEMANN POPEYE -- "Liebe - eine argumentative Übung" im Foyer des Kammertheaters STUTTGART

"Olivia liebte den Schwanz ihres Freundes" - so heißt es im Stück "Liebe - eine argumentative Übung" von Sivan Ben Yishai. Es geht darin um den spinatliebenden Seemann Popeye und seine Freundin Olivia…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑