Antje Pfundtner konstatiert: "Denn, in Zeiten wo Ressourcen knapp werden, braucht es ein Versprechen, sonst frisst der Mensch sich am Ende selber auf." Hier lud das gewitzte und einfallsreiche Trio sein Publikum ein, sich die Bühne mit weiteren Künstlern zu teilen. Klezmer-Melodien und Holzpantinen-Tänze wechselten sich hier in rasanter Weise ab. Vergessene Bühnenszenen aus Stuttgart, München, Düsseldorf und sogar New York wurden facettenreich zusammengelegt und ergänzt. Das Stück nahm die Baumaßnahmen fragiler Systeme einfach auseinander. Utopien von Gerechtigkeit verpufften plötzlich im Nichts. Alternative Konstruktionen wurden ganz bewusst erprobt. Menschen, die das unterstützten, wurden hier zu Partnern.
Bereits vor sieben Jahren hat "Antje Pfundtner in Gesellschaft" damit begonnen, neben ihren Bühnenstücken auch Formate künstlerischen Teilens herauszustellen: "Das ist mein Haus und da kommt niemand rein!" Existenzielle Fragen standen im Raum: "Wie teilt man Ideen? Wie teilt man Geld? Wie teilt man Bühne?" Diese Performance wurde mit einem Film eröffnet. Es handelte sich um einen 15-minütigen Ausschnitt aus dem Streifen "Before, the future was different". Dieser Film begleitet zwei in Stuttgart lebende Künstler mit Migrationshintergrund. Fragen von Identität, Zugehörigkeit und künstlerischem Überleben in Europa standen immer wieder im Zentrum des Geschehens. Der Film pendelt zwischen Dokumentation und Fiktion, zeigt junge Menschen beim intensiven Kuchenessen und dem Zelebrieren der Geburtstagstorte. Reale Geschichten werden mit originellen Szenen verbunden, die andere mögliche Zukünfte in einer Welt vorstellen, die in Flammen steht. "Wir haben uns aufgefressen?" stand zuletzt als bange Frage im Mittelpunkt. Da gab es dann keine wirkliche Antwort.
Und dann kam auch die knallharte Erkenntnis: "Aber dann haben sie uns abgehängt." Und auch die Transfeindlichkeit stand im Zentrum: "Trans*Frauen stehen zunehmend im Fokus rechter Rhetorik - mit falschen Bildern von Sozialisation, Männlichkeit und pauschalen Bedrohungsnarrativen..." Die Gesellschaft wurde mit dem Sezierglas gnadenlos analysiert. Dabei wurden auch Ratschläge erteilt: "Hinterfrage deine Vorurteile, bevor du bewertest." Weiter hieß es: "Mainstream zeigt nur einen kleinen Teil des Drag-Spektrums, polierte Looks werden bevorzugt." Und dann: "Wir brauchen Räume, die solidarisch sind." Als Fazit konnte man feststellen: "Nicht jede queere Identität passt in vorgeformte Bilder." Diese Performance ließ manche Erkenntnis in neuem Licht erscheinen. Dies gelang manchmal weniger, manchmal mehr überzeugend. Alles in allem wurde hier aber eine sehenswerte neue Form des Theaters kreiert, die das Publikum stark mit einbezog.
Musik und Sound von Nikolaus Woernle sowie die Bühne von Irene Pätzug passten gut zusammen. Da öffnete sich zunächst sogar ein Garagentor (Maschinenkunst: Lars Vaupel). Und auch die Nacktszenen besaßen etwas ungemein Ästhetisches (Kostüme: Yvonne Marcour). Die schwarze Schauspielerin konstatierte fassungslos: "Warum werde ich verleumdet?" -
"Bravo"-Rufe.

