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Eine Stele für Hanns Dieter Hüsch in Moers

Endlich Unverwundbarkeit errungen – Schwarze Stele ziert Hüsch-Grab

Er war „alles in einem, Spötter, Schalk, Sänger, Lyriker, Mahner und Menschenfreund“ – so beschreibt Jürgen (Moses) Pankarz als einer der engsten Freunde den im Dezember verstorbenen Moerser Ehrenbürger Hanns Dieter Hüsch.

Weil der ruhelose Dichter das eine nie ohne das andere war und dennoch der niederrheinischen Heimat immer nah, sollte das Grab auf dem Hauptfriedhof in Moers-Hülsdonk dieser Obsession Rechnung tragen. So entstand in gemeinsamen Gesprächen zwischen dem Grafiker Pankarz, der Witwe Chris Rasche-Hüsch, Tochter Anna Hüsch-Kraus, Bürgermeister Norbert Ballhaus sowie Vertretern der Stadtverwaltung Moers mit dem Steinbildhauer Manfred Messing aus Kempen recht bald die Idee für eine Granit-Stele. Ausgangspunkt bei den Beratungen, so Bürgermeister Ball-haus bei der feierlichen Präsentation, sei immer gewesen, „Was würde er – Hüsch – dazu sagen?“. Nach-dem die Entscheidung für eine gewisse Schlichtheit und die Kraft des Wortes gefunden war, sind sich alle Beteiligten sicher: „Es würde ihm gefallen.“

 

Als Material ausgewählt wurde passend zum ausdauernden Schwarzen Schaf vom Niederrhein: schwarzer Granit aus Schweden, der sich durch besondere Härte auszeichnet. Der etwa 2 Meter hohe schlanke Stein ist ausgehöhlt, lässt sich durchblicken und tut Inneres auf. „Wie ein Lebenslauf steigt er aus der Erde auf und endet wieder darin“, erklärt die Witwe. Der Stein trägt neben den Lebensdaten ein als Flachrelief ein-gemeißeltes Portrait von Hüsch aus der Hand von Moses Pankarz. Es ist eingebettet zwischen Hüsch-Texten, die Leben und Werk des Künstlers kennzeichnen. Auf der Vorderseite ist zu lesen: „Ich bin ge-kommen Euch zum Spaß und gehe hin wo des Leides ist und Freude und wo Beides ist zu lernen Mensch und Maß.“

 

Pit Klein, Journalist, Weggefährte und Freund präsentierte den Gästen zur Feier des Ehrenmales die heitere Vorstellung, wie Hüsch jetzt regelmäßig mit Gott zusammenhockt und mit ihm über das von Menschen gemachte Leid in der Welt und das Maß der Erschaffung des Menschen diskutiert. Vermutlichhabe sich Gott den freien Willen des Menschen als Maß gesetzt, an dem er als Allmächtiger auch nichvorbeikäme. Um jedoch „an der Maßlosigkeit des freien Willens nicht ins Straucheln zu geraten“ so Pit Klein, fängt der rückseitige Text der Stele wieder auf. „Ich habe immer versucht, die Erhabenheit der Bäume, die Unver-wundbarkeit der Steine, die Vorurteilslosigkeit der Flüsse und die Gelassenheit der Tiere zu erreichen. A-ber es ist mir nicht gelungen.“ Hanns Dieter Hüsch hat beschrieben, wie man Mensch und Maß lernt, wie es daneben geht, bei ihm, seinen Freunden und vielen anderen, „die Zeit ihres Lebens bemüht sind, Mensch und Maß auf die Reihe zu kriegen. Und nur, wer die Mühen des Denkens für Körperverletzung hält, der wird Dich vergessen, umso mehr, als er Dich kaum je gekannt hat“, so Klein. Was Hüsch zeitlebens aus seiner Sicht nicht gelungen sei, habe er nun zumindest auf absehbare Zeit errungen: die Unverwundbarkeit des Grabsteins.

 

Zur Grabanlage gehört neben der Stele noch eine ebenfalls aus Granit gefestigte Bank mit Lärchenholz. Der „Hüsch-Garten“, wie Ehefrau Chris diese Anlage liebevoll nennt, soll eine Einladung an alle sein, gegebenenfalls mit einem Buch von Hüsch unter den Bäumen zu verweilen, sich von der Arbeit an den Gräbern ihrer Angehörigen zu erholen oder wieder zu ihrer eigenen Seele zu finden“, erklärt sie. Als nächstes soll die Oberfläche der viel besuchten Grabstätte ebenfalls möglichst schlicht gestaltet werden. Welche Farben später die Blüten auf dem Grab haben werden, steht jedoch schon fest. Die Lieblingsfarben von HDH: rot und weiß.

 

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