Bertolt Brecht war begeistert von der Schwejk-Figur. Hašeks Roman hat ihn über Jahre nicht losgelassen. Gemeinsam mit Erwin Piscator erarbeitete er eine berühmte Bühnenbearbeitung des Textes, die 1928 zur Aufführung kam. Darüber hinaus hatte Brecht Pläne, den Stoff zu verfilmen, um schließlich 1943 im amerikanischen Exil an einem eigenen Stück zu schreiben, in dem er »Schweyk im zweiten Weltkrieg« aufmarschieren lässt, wo er ein dienstbares Rädchen des deutschen Faschismus wird. Hanns Eisler schrieb die Musik dazu, darunter Songs wie »Das Weib vom Nazisoldaten« oder »Das Lied vom kleinen Wind«. Am Ende des Stückes trifft Schwejk, »der kleine Mann«, der sich freiwillig gemeldet hat, in Stalingrad auf Hitler. Das Stück von Brecht bildet den zweiten Teil einer Schwejk-Trilogie, die Regisseur Jan-Christoph Gockel im Ersten Weltkrieg beginnen lässt.
Der dritte Teil zeigt »Schwejk in Bachmut«. Textliche Grundlage hierfür bilden Interviews mit ehemaligen Wagner-Söldnern, die an der Schlacht um Bachmut beteiligt waren. Sie werfen einen Blick auf die »kleinen Rädchen« innerhalb der Kriegsmaschinerie. Wie halten die einzelnen Rädchen eine Vernichtungsmaschinerie am Laufen? Und: Kann ein »Idiot« wie Schwejk heute noch eine Kriegsmaschine aus dem Takt bringen?
Jan-Christoph Gockel verbindet wie kaum ein anderer Regisseur Politik mit Poesie: In seinen Arbeiten treffen Puppen, Schauspieler:innen, Film, Musik und dokumentarisches Material aufeinander. Am Schauspiel Frankfurt war in seiner Regie u.a. »Öl!« sowie »Faust 1 & 2« zu erleben. Er ist Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen und wurde mit seiner Arbeit »Wallenstein« zum Berliner Theatertreffen 2026 eingeladen.
Mit Liedern aus Brechts »Schweyk im zweiten Weltkrieg« von Hanns Eisler, in einer Bearbeitung von Matthias Grübel.
Regie Jan-Christoph Gockel
Bühne Julia Kurzweg
Kostüme Janina Brinkmann
Musik Matthias Grübel
Video Eike Zuleeg
Puppenbau Michael Pietsch
Dramaturgie Katrin Spira
mit Torsten Flassig, Wolfram Koch, Anabel Möbius, Annie Nowak, Michael Pietsch, Christoph Pütthoff, Sebastian Reiß, Lotte Schubert, Melanie Straub
und Eike Zuleeg (Live-Kamera) - mit Liedern aus Brechts »Schweyk im Zweiten Weltkrieg« von Hanns Eisler, in einer Bearbeitung von Matthias Grübel.
die nächsten Vorstellungen 13./16. September und 2. Oktober


