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"Der Reichtum" nach Aristophanes im Schlosstheater Moers

Premiere Samstag, 26. September 2026, um 19:30 Uhr im Schloss, Kastell 9, 47441 Moers

Der Reichtum hat ein Sehproblem. Seit Jahrtausenden findet er zuverlässig die Falschen. Er geht zu denen, die schon haben, bleibt bei denen, die ihn vermehren, und fehlt dort, wo er gebraucht würde. Ein bedauerlicher Irrtum? Oder doch ein ziemlich stabiles System?

© Schlosstheater Moers

Aristophanes nimmt diese Frage wörtlich: Was wäre, wenn der Reichtum plötzlich sehen könnte? Wenn er erkannte, wie ungerecht seine Gaben verteilt sind – wie wenige sehr viel haben und wie viele fast nichts? Und was, wenn sich das ändern ließe: einfach so, über Nacht?

In der Komödie Der Reichtum, entstanden um 400 v. Chr., wird aus dieser Vorstellung ein allegorisches Märchen: Chremylos, ein anständiger und unauffälliger Bürger aus Athen, fragt das Orakel von Delphi, ob es nicht besser wäre, den Pfad der Tugend zu verlassen, um seinen Kindern größeren Wohlstand zu sichern. Also: Einfach die Erbschaftssteuer umgehen – heute von einigen auch als die „Dummensteuer“ bezeichnet? Das Orakel schlägt einen anderen Weg vor: Chremylos soll den Gott des Reichtums von seiner Blindheit heilen. Denn wenn der Reichtum nicht mehr blind wäre, gäbe es keine Ungleichheit mehr.

Chremylos schreitet zur Tat – mit Erfolg. Sehenden Auges verteilt der Reichtum seine Gaben nun gerecht unter der Bevölkerung. Was wiederum die Göttin der Armut auf den Plan ruft. Sie verteidigt die Ungleichheit als notwendigen Antrieb für Wettbewerb und Wohlstand. Bei Aristophanes gewinnt der Reichtum gegen die Armut und wird in einem Festzug gefeiert. Ob das heute, 2500 Jahre später, genauso wäre – daran dürfen wir getrost zweifeln.

Wie schon Aristophanes’ Der Frieden verhandelt auch Der Reichtum Schlüsselthemen unserer Zeit: die obszöne Kluft zwischen Arm und Reich, die Tatsache, dass die Anständigen sehr häufig die Dummen sind, die Ideologie des Wettbewerbs, den Zynismus, die Gier. Aristophanes dreht die Verhältnisse radikal um und entwirft eine Welt, in der der Reichtum endlich dort ankommt, wo er hingehört. Eine absurde Komödie, gewiss – denn alles daran ist lächerlich, bescheuert, unglaubwürdig, unwahrscheinlich, unmöglich. Oder?

 Achtung: Der Parkplatz Kastell ist am 26. September gesperrt. Besucher*innen der Premiere werden darum gebeten, alternative Parkmöglichkeiten in der Umgebung in Anspruch zu nehmen.

Regie Jakob Arnold
Bühne und Kostüm Christian Blechschmidt
Musik Franz Leander Klee
Dramaturgie Sandra Höhne

Karion, ein Sklave Linus Ebner
Chremylos, sein Herr Matthias Heße
Blepsidemos / Hermes Clara Pinheiro Walla
Die Armut Catherine Elsen
Der Reichtum Florian Kager

Weitere Termine
(Auswahl): 02.10., 04.10., 17.10., 24.10., 27.10.
01.11., 08.11., 21.11.
Uhrzeit: 19:30 Uhr, außer sonntags um 18:00 Uhr
Ort: Schloss, Kastell 9, 47441 Moers
 

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