Josquin des Pres und Palestrina haben dabei Pate gestanden. F-Dur, Des-Dur, g-Moll und b-Moll wechseln sich dynamisch facettenreich ab. Das volle Tutti wird nur im Eingangs- und im Schlusssatz verwendet. Sibylla Rubens, Jutta Böhnert (Sopran), Rebecca Martin (Alt), Thomas Cooley (Tenor) und Yorck Felix Speer (Bass) fügen sich intonationssicher zusammen.
Eine Überraschung bieten bei dieser Einspielung die relativ unbekannten Opernwerke - darunter "Liebe und Eifersucht" mit dem fulminanten Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter der impulsiven Leitung von Michael Hofstetter. In diesem Werk finden sich nach vielen Intrigen zuletzt die richtigen Paare, was sich in der kontrapunktisch reichen Gestaltung der Partitur ausdrückt.
Hoffmanns indisches Melodram "Dirna" geriet allerdings in Bamberg zu einem seiner größten musikalischen Erfolge. Es ist hier in einer gelungenen Aufnahme mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter der umsichtigen Leitung von Johannes Goritzki zu hören. Es ist die Geschichte einer Inderin, die geraubt, vergewaltigt und gefangengehalten wurde und dann zur Sühne auf Geheiß hinduistischer Priester ihre Kinder ermordet. Ihre Hinrichtung erfolgt durch geschmolzenes Blei. Dirnas Mutterliebe erhält hier sogar einen rührseligen Zug, während auch das Schauerliche nicht zu kurz kommt. Angelika Krautzberger als Dirna, Martin Herrmann als Ganga und Werner Klockow als Zami und Hohepriester verkörpern ausdrucksstark die Sprechrollen.
Die nächste Überraschung sind die selten zu hörenden Ouvertüren "Das Kreuz an der Ostsee", "Arlequin" sowie der "Trank der Unsterblichkeit" (wieder mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter Johannes Goritzki). Der Aufbau der Ouvertüre folgt dem Schema des Sonatenhauptsatzes. Dichte kontrapunktische Satztechnik dominiert. Das Feuer der "Undine"-Ouvertüre fehlt auch nicht. Allerdings wurde hier die Oper "Undine" nicht aufgenommen.
Natürlich kommt bei dieser interessanten CD-Box der exzellente Kammermusiker E.T.A. Hoffmann zu seinem Recht. Beim Harfenquintett wirkt der Satz sogar recht klavierartig, große harmonische Dichte und Geschlossenheit kennzeichnen außerdem die bedeutenden Klaviersonaten, die Wolfgang Brunner einfühlsam interpretiert. Die kunstvolle freie Doppelfuge der f-Moll-Sonate sticht dabei in besonderer Weise hervor.
Die grandiose Begabung des Universalgenies E.T.A. Hoffmann zeigt sich auch bei der von der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens sehr effektvoll interpretierten Sinfonie in Es-Dur. Im ersten Satz überrascht die kunstvolle und unison geführte chromatische Wendung aller Streicher mit dem verminderten Septakkord am Schluss. Im dritten Satz in c-Moll kommt dann E.T.A. Hoffmanns skurrile Veranlagung zum Ausdruck, weil das Menuett als Kanon komponiert wurde. Alles in allem: Diese musikalischen Schätze sind sehr zu empfehlen!


