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MIT BÖHMISCHEM TEMPERAMENT -- 75 Jahre Orchester der Stuttgarter Musikfreunde - Jubiläumskonzert im Mozartsaal der Liederhalle STUTTGART

am 17.5.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Bei diesem Jubiläumskonzert des Orchesters der Stuttgarter Musikfreunde boten die Musiker unter der einfühlsamen Leitung von Klaus Kulling eine beachtliche Leistung. Zu Beginn erklang die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz". Schon die Klänge der Adagioeinleitung waren sehr bewegend - und Hans Pfitzner lobte hier das "innige und feinhörige Naturgefühl". Aus zartem Pianissimo erhoben sich die gefühlvollen Akkorde der Hörner  - und so konnte man die Abenddämmerung im Walde sehr gut nachvollziehen.

© Cichowicz-Cichowicz: Christine Busch

Dem düsteren Tremolo folgte das dumpfe Pochen der Pauke, und die Celli stimmten ein unheimliches Thema an, das langsam verrauschte. Leidenschaftlich erregt war dann das Allegro. Da ertönte ein strahlender Hornakkord, bei dessen Verklingen über dem Tremolo der Streicher sich danach die Klarinette meldete. Es wirkte wie eine lichte Verklärung. Angstvolle und dämonische Elemente versuchten sich vorzudrängen. Und den gefühlvollen Gesang des zweiten Themas arbeitete Klaus Kulling mit dem Orchester sehr gut heraus. Im Durchführungsteil setzten sich die dunklen Gewalten durch, die Posaunen meldeten sich drohend. Leidenschaftlich behauptete  sich der Wiederholungsteil mit dem erregten ersten Thema. Neben dem zitternden Tremolo erhoben sich seufzend die Geigen - und die Wendung in den Celli führte zur Ruhe. Überwältigend war die Schluss-Steigerung! 

Christine Busch (Geigen-Professorin an der Stuttgarter Musikhochschule) war dann die hervorragende Solistin bei Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur, wo sie vom Orchester der Stuttgarter Musikfreunde unter Klaus Kulling einfühlsam begleitet wurde. Insbesondere beim zart elegischen Adagio konnte sie das Publikum in ihren Bann ziehen. Ein breiter Gesangsstrom der Violine ergoss sich, um schließlich zart verträumt zu verklingen. Das glanzvolle Allegro im ersten Satz wirkte bei dieser Wiedergabe keineswegs äusserlich. Abwechslungsreich wurde dann das Rondo gestaltet, wo das lustige Hauptthema reizende Seitengedanken offenlegte. Die zierliche Weise war reizvoll mit Trillern geschmückt, zu der die Streicher eine Pizzicatobegleitung brachten. Und die Volksmelodie klang nicht derb. 

Kraftvoll, aber auch aufgewühlt interpretierte Klaus Kulling zuletzt mit dem Orchester der Stuttgarter Musikfreunde die Sinfonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt" in e-Moll von Antonin Dvorak. Nach einer kurzen, spannungsvollen Adagioeinleitung eröffnete das naturfrische Hauptthema den an Beethovens Sonatenschema orientierten ersten Satz "Allegro molto". Dem Vordersatz der Hörner ließen die Klarinetten wie eine böhmische Polka den Nachsatz folgen. Mit Umspielungen und Fortspinnungen meldete sich der Gruß der Heimat in reizvoller Weise. Flöten und Oboen stimmten lyrisch das zweite Thema an. Slawische Wehmut und träumerische Monotonie begleitete die amerikanische Herkunft dieser Melodie. Und auch das böhmische Musikantentum kam nicht zu kurz. Energischere Töne schlug das dritte Thema an, das in der Flöte erklang. Durchführung, Reprise und Coda strahlten helle Lebensfreude aus. Leise Bläserakkorde hoben geheimnisvoll beim zweiten Largo-Satz an. Die schwermütige Legende der indianischen Prärie ging hier ins Gemüt. Melancholisch erklang die Melodie des Englisch-Horns. Eine sehnsüchtige Melodie erklang im Mittelteil. Das Negro-Spiritual führte zu einer machtvoll interpretierten dynamischen Steigerung. Sehr robust wirkte das Scherzo des dritten Satzes. Die Largo-Melodie des Englischhorns bildete dazu einen bewegenden Kontrast. In der Coda überließ das Scherzomotiv dem Hauptthema des ersten Satzes das Feld. Das markig-trompetenfreudige Motiv löste sich im Finale aus einer leidenschaftlich erregten Einleitung. In den Klarinetten erklang zart eine böhmische Heimatmelodie. Melodien aller vier Sätze bot die gewaltige Durchführung als Stimmen der Heimat und der "Neuen Welt" im Sinne einer Stretta gegeneinander auf.  

Zuletzt Begeisterung im Publikum, "Bravo"-Rufe!

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