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"Der Fall McNeal" von Ayad Akhtar - Deutsches Theater Berlin

Premiere 26.09.2025, 19:30 Uhr DT Bühne

21.09.2025

Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann. Er scheint geradezu der Prototyp einer heute als toxisch gebrandmarkten Männlichkeit zu sein: ein berühmter US-amerikanischer Schriftsteller Ende 60, ein Charismatiker mit einem Alkoholproblem und verstörender Ehrlichkeit, prominent, erfolgreich, raumgreifend.

© Thomas Aurin

Für seine Werke hat er ohne Rücksicht auf Verluste sich selbst, seine Beziehungen und seine Gesundheit ausgebeutet und ruiniert. Doch auf dem Höhepunkt seines Ruhms (Literaturnobelpreis) und am Ende seines Lebens (Leberzirrhose) holt ihn seine Vergangenheit ein. Und gleichzeitig überholt ihn eine Technologie, die die Literaturproduktion verändert: Künstliche Intelligenz, die in rasender Schnelligkeit Texte zu produzieren imstande ist – ausgewiesernermaßen bestsellertauglich.  

Das Stück variiert inhaltlich und auch formal eine der großen poetologischen Grundfesten: die Tatsache, dass Literatur selten ganz originär ist und jeder Autor oder jede Autorin zunächst immer auch Leser oder Leserin ist und im Weiteren auch die eigenen und die Geschichten derer, die sie umgeben, ausbeutet. Lesend arbeitet er oder sie sich bewusst oder unbewusst mit dem eigenen Schaffen an anderen Werken ab, genau wie die KI, die auch mit Texten und Daten gefüttert sein muss, damit sie etwas schreiben kann.  

Wird die Zukunft der Kunst eine sein, in der preiswert und schnell schmerz- und geräuschlos produziertes Mittelmaß die Welt überflutet, das niemandem mehr weh tut, aber viele unterhält und ablenkt? Und was wird KI im Kunstkontext künftig sein: Spielzeug, Assistent oder erstzunehmende Konkurrenz? Werden mit neuen Medien auch die Grenzen des Sagbaren neu definiert, z.B. indem die Darstellung von Suizid und Gewalt, Rassismus und Frauenfeindlichkeit als nicht mehr erwünscht unterdrückt wird? Und nicht zuletzt: Kann sich Theater als einer der letzten Orte analoger Vergemeinschaftung und potenziell anarchischer Möglichkeiten behaupten gegen die digitale Gleichförmigkeit und Vereinzelung, die schon jetzt rasant um sich greift und zu einer ganz neuen Form von Einsamkeit und Beeinflussbarkeit führt, weil oft nicht mehr klar ist, was echt und was fake ist? 

All diesen Fragen geht Der Fall McNeal nach – als nachdenklich machendes well made play, dem eine technologische, moralische und literaturtheoretische Problematik zugrunde liegt.

aus dem Englischen von Daniel Kehlmann

Regie András Dömötör 
Bühne Julia Plickat, Ann-Christine Müller 
Kostüm Almut Eppinger 
Musik Tamás Matkó 
Video Zsombor Czeglédi 
Licht Matthias Vogel 
Dramaturgie Karla Mäder 

Jacob McNeal, Schriftsteller
Sarah Grewal, Ärztin
Stephie Banic, Agentin
Harlan McNeal, Jacobs Sohn
Natasha Braithwaite, Journalistin
Francine Blake, ehemalige Redakteurin

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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