André ist achtzig Jahre alt, Witwer und eigentlich überzeugt davon, sein Leben weiterhin selbstständig meistern zu können. Doch allmählich verändert sich etwas: Seine Tochter Anne möchte eine Pflegekraft für ihn organisieren und steht selbst vor einer großen Lebensentscheidung. André hingegen versteht die Situation immer weniger. Menschen scheinen ihre Identität zu wechseln, Gespräche wiederholen sich oder widersprechen dem zuvor Gesagten, die eigene Wohnung wird zunehmend fremd. Was ist wirklich geschehen? Wem kann André noch vertrauen? Und was passiert, wenn selbst die eigene Erinnerung keine Sicherheit mehr bietet?
Das Besondere an Zellers Stück über einen Mann mit Demenzerkrankung ist seine Erzählperspektive: Die Geschichte spielt konsequent aus Andrés Perspektive. Das Publikum beobachtet nicht nur, wie sich seine Welt verändert, sondern erlebt diese Veränderungen selbst. Wir verlieren gemeinsam mit ihm die Orientierung zwischen Wahrheit und vermeintlich falschen Erinnerungen, beschreibt Regisseurin Tanja Weidner ihren Ansatz.
Der Autor lädt ein, den Mut aufzubringen, genau hinzuschauen, wo unsere alternde Gesellschaft aus Angst noch ein Tabu setzt: Was bedeutet es wirklich, an Demenz zu erkranken? Und wie können Angehörige helfen, ohne selbst zwischen Überforderung und Trauer zerrieben zu werden. Und das tut er mit einer großen Portion Humor.
Bezaubernd leicht und mit großer Liebe zu den Figuren und zum Leben nimmt sich der Autor der Sache an, so Regisseurin Weidner. Das Leben ist auch ohne Demenzerkrankung manchmal absurd. Die Dinge anzunehmen, wie sie sind, fällt manchmal schwer. Aber genau das wird zur Überlebensstrategie von André uns seiner Tochter Anne.
Die Rolle des André spielt Meinhard Zanger, Schauspieler, Regisseur und langjähriger Intendant des Wolfgang Borchert Theaters. Als Schauspieler wurde er unter anderem 2024 für seine Darstellung in ANNE-MARIE DIE SCHÖNHEIT für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert.
Florian Zeller zählt zu den erfolgreichsten französischen Dramatikern der Gegenwart. Mit seiner Familientrilogie Die Mutter (2010), Der Vater (2012) und Der Sohn (2018) nimmt er die Spannungen innerhalb familiärer Beziehungen in den Blick. Dabei interessiert ihn besonders, was sich einer eindeutigen Erklärung entzieht: Erinnerungen, die täuschen, Wahrheiten, die sich widersprechen, und die Frage, wie gut wir die Menschen kennen, die uns am nächsten stehen.
VATER gehört zu den meistgespielten Theaterstücken der Gegenwart und wurde bereits in mehr als 50 Ländern aufgeführt. Zeller verarbeitet darin auch persönliche Erfahrungen mit der Demenzerkrankung seiner Großmutter. 2020 adaptierte er das Stück für sein Spielfilmdebüt The Father mit Anthony Hopkins und Olivia Colman. Für das Drehbuch, das er gemeinsam mit Christopher Hampton verfasste, erhielt er 2021 den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch.
Inszenierung Tanja Weidner
Bühne_Kostüme Annette Wolf
Dramaturgie Laura Ritter, Lea Schulte-Hillen
Besetzung Florian Bender, Rosana Cleve, Katharina Hannappel, Markus Hennes, Ivana Langmajer, Meinhard Zanger
Premieren | Donnerstag, 12. November 2026, Freitag, 13. November 2026 | je 20 Uhr |
Weitere Termine | Samstag, 14. November 2026 | 20 Uhr, Sonntag, 15. November 2026 | 18 Uhr [+17 Uhr Einführung] |


