Der Chronoplan ist ein faszinierendes Zeitzeugnis des Berlins der 1920er Jahre: Albert Einstein führt einer erlesenen Gesellschaft, darunter Richard Strauss, Max Liebermann und George Bernard Shaw, seine neueste Erfindung vor: eine Zeitmaschine. Doch in welche Epoche soll die Reise gehen? Welche Persönlichkeiten möchte man treffen? Schließlich landet man nicht ohne Komplikationen in der Romantik …
Julia Kerrs Oper vereint die großen stilistischen Strömungen der Zeit in Anlehnung an Wagner und Strauss – mit Sinn für dramatische Wirkung und szenischen Humor. Revue, Zeitgeist, Romantik und der Weg in den Faschismus – hier prallt in einem mal komischen mal bedrohlichen Potpourri einiges aufeinander, ungebremst und intelligent beschleunigt durch die markanten Worte aus Alfred Kerrs spitzer Gesellschaftsfeder. Es ist eine wilde Mischung, die – aus heutiger Perspektive betrachtet – die Geschichte des Stoffes miterzählt. Und in seiner Inszenierung lässt Lorenzo Fioroni dem Werk genau diese Geschichte, übersetzt Julia Kerrs rauschhafte Begeisterung für die verschiedenen ästhetischen Strömungen ihrer Zeit in eigenwillige Bilder. In bewusst Skizziertem und wild Ausgemaltem, in schäbig-behelfshaftem Zwanzigerjahreglitter und düster-apokalyptischem Vorschein einer kommenden furchtbaren Welt. Da wird aus dem roten Schicksalsfaden ein Zeitstrahl und daraus schließlich eine Zündschnur. Und Lord Byrons Unter-Ich reist in der Gestalt des Homunkulus mit in die grausame Gegenwart, begleitet von Alfred Kerrs scharfanalytischen Worten: „Lass den Romantiker bei uns verweilen, das wird ihn heilen.“
Der Chronoplan (UA) von Julia Kerr (1930-32)
Libretto von Alfred Kerr
Vervollständigt und in Teilen rekonstruiert durch Norbert Biermann
Toneinspielung nach dem 1. Akt: Komposition ROTOЯ ℤ⁵ von Paul-Johannes Kirschner
Musikalische Leitung: Gabriel Venzago
Inszenierung: Lorenzo Fioroni
Bühne: Paul Zoller
Co-Bühnenbildnerin: Katharina Wegmann
Kostüme: Annette Braun
Choreografie: Fabio Toraldo
Licht: Ulrich Schneider
Chorleitung: Sebastian Hernandez-Laverny
Dramaturgie: Sonja Westerbeck
Einstein Tim-Lukas Reuter
Frau Einstein Luisa Sagliano
Lord Byron Daniel Schliewa
Nikoline Maren Schwier
Richard Strauss Collin André Schöning
Bernhard Shaw Maurice Avitabile
Gerhart Hauptmann Myungin Lee
Max Liebermann Christoph Wendel
Ein Kritiker Alexander Spemann
Eine Journalistin Margarita Vilsone
Erstes Stubenmädchen Paula-Maria Müller
Zweites Stubenmädchen Lena Heun
Ein Diener Daniel Semsichko
Ein Reitknecht Gregor Loebel
1. Dame Dohyun Lee (24.1., 27.1., 18.2., 23.3., 4.4.) / Jeeho Anja Park (21.2., 6.3., 29.3)
2. Dame Anđela Todorovic Dodis (24.1., 18.2., 6.3., 29.3.) / Michelle-Marie Nicklis (27.1., 21.2., 23.3., 4.4.)
3. Dame Katharina Sebastian (24.1., 18.2., 6.3., 29.3.) / Anke Peifer (27.1., 21.2., 23.3., 4.4.)
1. Herr Agustin Sanchez Arellano (24.1., 18.2., 6.3., 29.3.) / Scott Ingham (27.1., 21.2., 23.3., 4.4.)
2. Herr Dogus Güney (24.1., 18.2., 6.3., 29.3.) / Jinsei Park (27.1., 21.2., 23.3., 4.4.)
Basil von Strouve Georg Schießl
Lisa Passavant Katharina Sebastian
Der Clubpräsident Dennis Sörös
Ein Clubdiener Paul Jonathan Irion
Chor des Staatstheater Mainz
Statisterie des Staatstheater Mainz
Philharmonisches Staatsorchester Mainz
TERMINE
24.01.2026 → Premiere, 27.01.2026, 18.02.2026, 21.02.2026, 06.03.2026, 23.03.2026, 29.03.2026, 04.04.2026


