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STARKE EMOTIONALE DICHTE -- Neue CD "Another Dawn" mit dem Geiger Tassilo Probst bei Berlin Classics

Februar 2026

ALEXANDER WALTHER 12.02.2026

Mit seinem zweiten Album "Another Dwan" setzt der junge deutsche Geiger Tassilo Probst seine künstlerische Reise fort. Zusammen mit dem einfühlsam begleitenden Thessaloniki State Symphony Orchestra unter der energischen Leitung von Daniel Geiss musiziert er das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold, das dritte Violinkonzert von Joseph Achron sowie das zeitgenössische Werk "Lamento" von Christos Samaras.

© Berli Classics

Der Titel "Another Dawn" verweist auf einen Hollywood-Film von 1937, dessen Musik vom österreichisch-jüdischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold stammt. Für Korngold bedeutete Hollywood einen Neuanfang. In seinem bedeutenden Violinkonzert in D-Dur op. 35, das im Jahre 1935 entstand und dessen Hauptthema dem Film entlehnt ist, vereinigen sich Elemente der europäischen Spätromantik mit der orchestralen Klangsprache Hollywoods. Die farbenreiche und hoch expressive Tonsprache kommt bei dieser Aufnahme besonders schön und eindrucksvoll zur Geltung. Das zweite ausdrucksstarke Thema des ersten Satzes stammt aus dem Film "Juarez", das Tassilo Probst mit Verve und Energie interpretiert. Der zweite Satz greift dann Musik aus dem Streifen "Anthony Adverse" voller Themenvielfalt auf, während das Finale auf Themen aus "The Prince and the Pauper" basiert. Dieses vor elektrisierendem Temperament und Feuer nur so sprühende Meisterwerk wurde im Jahre 1947 von Jascha Heifetz uraufgeführt. Emotionale Dichte, einfühlsame Kantilenen und orchestrale Opulenz werden eindringlich miteinander verbunden. 

Auch der Komponist Joseph Achron war als Freund Arnold Schönbergs ein Wanderer zwischen den Welten. Das zeigt eindrucksvoll sein im Jahre 1937 vollendetes drittes Violinkonzert. Dissonant klingende, polytonale und polymodale Schichtungen sowie atonale Sequenzen wechseln sich atemlos ab. Rezitativische Freiheit und rhythmische Vitalität prägen diese Musik, deren Dissonanzen und modale Skalen harmonische Spannung erzeugen. Tassilo Probst unterstreicht zusammen mit dem Ensemble in ganz hervorragender Weise die Suche nach einer modernen jüdischen Musiksprache. Motive des synagogalen Gesangs, impressionistische Farben, reizvolle Polyphonie und kühne harmonische Schichtungen führen hier zu einem glühend-faszinierenden Klangerlebnis. Im lyrischen Cantabile betont Tassilo Probst die weiten gesanglichen Bögen der Violine ganz ausgezeichnet. Ein Juwel ist hier vor allem das Finale "Dance giocoso" als Meisterwerk technischer Raffinesse. Der höchsten Virtuosität wird Probst dabei sehr wohl gerecht! Manche melodische Passagen erinnern auch an Korngold. 

Eine sehr interessante Entdeckung ist ferner "Lamento" aus dem Jahre 2002 des 1956 im griechischen Thessaloniki geborenen Christos Samaras, zu dessen Lehrern unter anderem Friedrich Cerha zählte. Er entwickelte einen offeneren, expressiven Stil voll emotionaler Intensität und Klangpracht. Beim "Lamento" wechseln Ausbrüche der Verzweiflung mit melancholischen Passagen ab. Eine zeitgenössische, griechische Note fehlt ebenfalls nicht. Isang Yun und Luigi Nono prägten Samaras ebenfalls. Auch hier verblüfft kontrapunktische Komplexität. Ein Klangerlebnis, das man sehr empfehlen kann. 

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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