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PERMANENTER ALARMZUSTAND -- 70. Kompositionspreis der Landeshaptstadt Stuttgart beim Festival "Eclat" im Theaterhaus STUTTGART

am 8. Februar 2026

ALEXANDER WALTHER 09.02.2026

Interessante preisgekrönte Kompositionen waren wieder bei der Verleihung des 70. Kompositionspreises im Theaterhaus zu erleben.

Zunächst spielte das Ensemblekollektiv Baden-Württemberg (Pony Says, Ensemble Recherche, Ensemble Ascolta sowie EchtzeitEnsemble der Musikhochschule Stuttgart) unter der inspirierenden Leitung von Christof M Löser die expressive Komposition "Schmutz" von Ying Wang (China) für Violine und Ensembles (2019). Die Violine befindet sich hier in elektrisierender Weise am Limit, mikrotonale Bewegungen und intensive Melodik ergänzen sich. Es ist ein Werk der Extreme, der Eruptionen und Zusammenbrüche. Die Harmonik befindet sich dabei in einem permanenten Ausnahme- und Alarmzustand. Tremoli, Glissandi, Ostinati, Triller und explosiv-flirrende Effekte wechseln sich in rasanter Weise ab. 

Differenzierte Klangfarben und Farbeffekte beherrschen das Werk "absolute snow" für Klarinette, Horn und Violoncello der iranischen Komponistin Elnaz Seyedi.  Es handelt sich dabei um eine schlichte und geradezu karge Partitur. Das Werk lebt von musikalischer Selbstbeobachtung und geradezu meditativen Passagen. Die Komponistin sagt selbst, dass sie sogar von Thomas Manns "Zauberberg" beeinflusst wurde. Shizuyo Oka (Klarinette), Deepa Goonetilleke (Horn) und Asa Akerberg (Violoncello) spielten dieses Werk mit starker Intensität. 

Von großer politischer wie ästhetischer Ausdruckskraft ist dann das Stück "I wonder if I should start accessing pleasure a whole lot" für verstärktes Ensemble und Elektronik von Georgia Koumara, die aus Thessaloniki stammt. Lust und Begehren und eine Musik des Überflusses stehen hier in suggestiver Weise im Zentrum. Man denkt dabei zuweilen sogar an akustische Gehirnwäsche. Popmusikalische Elemente durchziehen diese Raumkomposition mit Texten über weibliche Sexualität, die in einen komplexen und energetischen Gesamtklang eingebettet ist. Das Ensemble 3:6Koeln spielte das Werk mit großer Konzentration. 

Marc Gegenfurtner sprach als Kulturamtsleiter der Stadt Stuttgart ein Grußwort. Er meinte, dass die Neue Musik gerade in Stuttgart eine bedeutende Rolle spiele. Man will diese Tradition weiter fortsetzen. Laudationes und Gespräche führten Martina Seeber (für Ying Wang), Astrid Schmeling (für Elnaz Seyedi) und Luxa M. Schüttler (für Georgia Koumara). Trotz der aktuellen Sparmaßnahmen konnte man noch ein Büffet ausrichten.    

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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