Theaterkompass.de Logo

RIESIGE KLANGFLÄCHEN -- Stuttgarter Philharmoniker mit Haydn und Holst im Beethovensaal der Liederhalle STUTTGART

am 13.2.2026

ALEXANDER WALTHER 14.02.2026

Stuttgarter Philharmoniker mit Haydn und Holst am 13.2.2026 im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART Angesichts des Todes von Helmuth Rilling widmeten die Stuttgarter Philharmoniker unter der Leitung von Nabil Shehata diesem die Einleitung zum Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn. Als Vorstellung des Chaos wurde eine träge, lastende Leere zu Klang, wogte in fahlem Dunkel gestaltlos zwischen den Tonarten hin und her, schien sich formen zu wollen. Man hörte drängende Seufzer-Figuren, dann einen übergewaltigen Klage-Ausbruch zu den ehernen Schritten des chromatischen Quartfalls. Das Orchester erzählte dann strahlkräftig von der ersten Schöpfungstat Gottes.

Die junge preisgekrönte russische Cellistin Maria Zaitseva war die temperamentvolle Solistin des Konzerts für Violoncello und Orchester Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn. Der schwärmerische Ton des ersten Moderato-Satzes kam in leidenschaftlicher Weise zur Geltung. Kapriziöse Munterkeit beherrschte das atemlos gestaltete Schluss-Allegro, im Mittel-Teil überwog dunkel drängende Emphase. Und das Adagio bestach mit dezenter, gut ausbalancierter Zurückhaltung. Hier übernahm das Cello eindringlich den Part der Violinen. Die Melodik der Kantilenen besaß bei dieser einfühlsamen Interpretation ausserordentlichen Reiz. Eleganz der Virtuosität und tänzerische Grazie stachen überall hervor. Maria Zaitseva meisterte die großen spieltechnischen Anforderungen sehr souverän.

Die Suite für Orchester "Die Planeten" op. 32 des britischen Komponisten Gustav Holst überraschte zuletzt unter der ausdrucksstarken Leitung von Nabil Shehata mit erstaunlichem Klangfarbenreichtum. Jeder Planetencharakter besaß bei dieser ausgefeilten Wiedergabe magische Klangfarben. Ungewöhnliche Akkorde und Akkordverhältnisse wurden markant betont, die rhythmische Bewegungskraft des Kriegsbringers "Mars" mit glanzvollen Fanfaren und donnernden Pauken riss alle Zuhörer unmittelbar mit. Zarte, helle und mystische Klangfarben zeigten sich ferner betörend bei der Friedensbringerin Venus, dem geflügelten Boten Merkur, dem Bringer der Fröhlichkeit Jupiter, dem Bringer des Alters Saturn und vor allem dem Magier Uranus sowie dem Mystiker Neptun. Hier imponierte immer wieder der sensible Einsatz der Damen des "figure humaine kammerchor" Stuttgart (Einstudierung: Denis Rouger). Da kam es zur differenzierten Gestaltung unterschiedlichster Tonflächen. Helle Klangfarben charakterisierten die Schwerelosigkeit, große dynamische Lautstärkesteigerungen dienten der fulminanten Darstellung der himmlischen Weiten, die sich hier tatsächlich immer weiter auszudehnen schienen. Einflüsse von Havergal Brian bis hin zu John Williams konnte man an diesem Abend deutlich heraushören. Man kam als Zuhörer aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. 

 Dieses besondere Konzert stand unter dem Motto "Orchester des Wandels". Die Mitglieder sind Musiker aus zahlreichen Berufsorchestern, die sich seit 2000 zusammengeschlossen haben. Sie betrachten Klima-, Natur- und Artenschutz als Teil ihres Kulturauftrages. Dabei geht es um den Schutz von Tropenhölzern, die auch in Musikinstrumenten verwendet werden. Das Projekt wurde an diesem Abend vorgestellt. Der Dirigent Nabil Shehata ist heute Künstlerischer Leiter der Barenboim-Said-Akademie.

Beifallsstürme und "Bravo"-Rufe im Publikum.   

Weitere Informationen zu diesem Beitrag


Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

Teile den Beitrag auf

Background image of the page