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REISE  NACH ANDALUSIEN UND DAMASKUS -- Stuttgarter Philharmoniker mit dem Forum der Kulturen im Gustav-Siegle-Haus STUTTGART

am 10.4.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Umrahmt wurde dieses besondere klassische Konzert mit Musik aus dem Orient: "Von Freiheit und Liebe". Dabei konnte man Klänge zwischen Wüstensand und Flamenco vernehmen.

Das fulminante Ensemble Panta Rhei mit Eleanna Pitsikaki (Gesang und Kanun), Mazen Mohsen (Gesang, Oud und Gitarre), Nina H (Gesang und Shakuhachi) sowie Hans Fickelscher (Percussion) beschwor hier Musik im Fluss der Zeit aus Andalusien und Damaskus. Antike Weisen bauten dabei gewaltige Brücken zwischen spirituellen Ebenen und 120 Tonleitern. Der Zauber mikrotonaler Musik konnte sich so voll entfalten. "Der braune Geliebte" aus Damaskus oder Lautenklänge aus dem Mittelmeerraum schufen eine sphärenhaft-meditative Aura, die die Zuhörer fesselte. Der Titel "Gesetz" machte auch mit der besonderen Musizierweise des Orients bekannt, die mit Zehn- oder Siebenachteln arbeitet. Dieses transkulturelle Projekt hinterließ beim Publikum einen großen Eindruck. Das galt auch für das "Gebet für die Verstorbenen" aus Japan.

Das kann man dann auch von der fulminanten Wiedergabe der "Karneval-Ouvertüre" von Antonin Dvorak sagen, die von den Stuttgarter Philharmonikern unter der temperamentvoll-elektrisierenden Leitung von Nicolo Foron mit Feuer und Esprit musiziert wurde. Es ist das zweite Stück der Trilogie "Natur, Leben und Liebe" und vermittelte im Gustav-Siegle-Haus reinste Lebensfreude. Da wuchsen Themen und Motive ganz zusammen. Unbändige böhmische Musizierlust feierte kontrapunktische Triumphe. 

Clayton Stephenson (Klavier) aus New York interpretierte anschließend sehr kraftvoll das berühmte Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll op. 23 von Peter Tschaikowsky, wobei die majestätische Einleitung zusammen mit den Stuttgarter Philharmonikern unter Nicolo Foron sogleich in imponierender Weise gelang. Die Melodien Tschaikowskys blühten hier in geradezu leidenschaftlicher Weise auf. Das spielerische erste Thema löste sich sphärenhaft-leicht von den wuchtigen Akkorden, während das zweite Thema an Schumanns Innigkeit erinnerte. Geigen und Celli unterstrichen sehr gut die dramatisch angelegte Melodie. Ein drittes, deutlich vorwärtsdrängendes Thema führte zu einem größeren Orchesterzwischenspiel. 

Und die Durchführung brachte nochmals einen großen sinfonischen Aufschwung. Clayton Stephensons Spiel verblüffte immer wieder mit phänomenaler Klarheit. Slawisch wirkte dann die ergreifend gestaltete Melodie des zweiten Satzes Andantino semplice. Besonders gut gelang Clayton Stephenson die Verarbeitung des Themas in der zarten Umspielung. Die Klavierarabesken setzten sich beim Walzer des Orchesters in eindringlicher Weise durch. Die Themen des Finale, Allegro con fuoco, entzündeten zuletzt ein grandioses Feuerwerk! Während das erste mit wilder Freude seine eigensinnigen Rhythmen ausspielte, betörte das zweite mit einer berührenden Melodie. Nach vielen überaus virtuosen Kapriolen genoss das zweite Thema wie eine begeisterte Hymne seinen höchsten Triumph. 

Viele "Bravo"-Rufe und großer Schlussapplaus. Als Zugabe spielte der begnadete Pianist noch Jazz-Variationen mit höchstem technischen Geschick. Nummern wie "Tea for Two" blitzten dabei in tausend Schattierungen auf. Der deutsch-italienische Dirigent Nicolo Foron gewann übrigens 2023 den Donatella-Flick-Preis des London Symphony Orchestra. 

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