Gleich beim ersten Lied "Widmung" aus "Myrten" op. 25 von Robert Schumann gewann die Sopranistin Esther Dierkes den Kantilenen mit weichem Timbre einen unnachahmlichen Zauber ab. Björn Bürger erfüllte "Freisinn" mit seiner sonoren Baritonstimme mit viel Emotion, während Esther Dierkes dem "Nussbaum" mit betörendem Timbre Leben einhauchte. Cornelius Meister begleitete beide Sänger am Klavier mit großem Einfühlungsvermögen, dessen Intensität nicht nachließ. "Jemand" mit Esther Dierkes überraschte wiederum mit harmonischer Vielseitigkeit und feinen klangfarblichen Nuancen. Björn Bürger lauschte bei "Sitz* ich allein" den geheimnisvollen Klängen minuziös nach. Und auch bei "Setze mir nicht, du Grobian" traf er mit seiner markanten Baritonstimme gleich die richtigen Akzente.
Sinnlicher Klangreiz und brillante Farbigkeit des Ausdrucks setzte sich dann auch bei den einfühlsam gestalteten Liedern von Clara Schumann fort, die trotz ihrer vielfachen Beschäftigung als Mutter und Hausfrau noch Zeit für ihre Kompositionen fand. Die "Myrten" von Robert Schumann sind ja auch unter dem Eindruck des Kampfes um die Ehe mit Clara entstanden, die schließlich vor Gericht durchgesetzt werden musste. Dem "Liebeszauber" nach einem Text von Emanuel Geibel entlockte Esther Dierkes differenzierte Klangfarben. Und auch bei "Ich hab' in deinem Auge" nach Friedrich Rückert überzeugte das breite Gesangsmelos. Bei Robert Schumanns "Myrten" konnte Björn Bürger vor allem bei "Talismane" heftige Leidenschaft in den kontrapunktierenden Linien demonstrieren: "Gottes ist der Orient!" Beim "Lied der Suleika" betörte Esther Dierkes die Zuhörer mit feinnervigen Kantilenen und subtilen chromatischen Fortschreitungen. Der dynamische Reichtum nahm hier auch aufgrund der gelungenen Klavierbegleitung von Cornelius Meister immer weiter zu.
Linear-zeichnerische Momente wechselten sich zudem bei den Liedern "Die Hochländer-Witwe" sowie bei "Mutter, Mutter!" mit Esther Dierkes in zarter Innigkeit ab. Björn Bürger gewann "Hochländisches Wiegenlied" eine sehr persönliche Harmonik ab. Bei "Aus den hebräischen Gesängen" von Robert Schumann zeigte Esther Dierkes bei den weit ausschwingenden Kantilenen ein großes Klangvolumen. Beim "Liebesfrühling" op. 12 von Clara Schumann bewies Björn Bürgers Interpretation großen Tiefgang. Und Esther Dierkes überzeugte bei "Ich stand in dunkeln Träumen" aus "Sechs Lieder" op. 13 von Clara Schumann mit nie nachlassender stimmlicher Intensität. Bei den beiden "Venetianischen Liedern" von Robert Schumann fesselten Esther Dierkes und Björn Bürger aufgrund ihrer gesanglichen Ausdruckskraft und klaren Diktion gleichermaßen. "Was will die einsame Träne?" mit Esther Dierkes berührte mit besonderer Zartheit. Und Björn Bürger imponierte zuletzt bei "Aus den östlichen Rosen" sowie "Zum Schluss" mit gesanglicher Leuchtkraft.
Als bewegende Zugaben waren noch "Wenn ich ein Vöglein wär'" und "So wahr die Sonne scheinet" von Robert Schumann sowie "Der Mond kommt still gegangen" von Clara Schumann zu hören, wo beide Sänger mit reicher Charakterisierungskunst überzeugten. Begeisterter Schlussapplaus!

