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"Hass / Μίσος / Ură" nach dem Film »La Haine« von Mathieu Kassovitz - Theaterhaus Jena

Premiere am Donnerstag, den 29. Januar 2026, um 20:00, auf der Hauptbühne

24.01.2026

Rückbank eines Citroën. Die Stirn an die kalte Seitenscheibe gelehnt, der Blick streift die Leuchtschrift an der Fassade eines Plattenbaus: »Ich sehe was, was du nicht siehst." La Haine (1995) von Mathieu Kassovitz ist ein Film über Stillstand und Explosion zugleich: 24 Stunden im Leben dreier junger Männer, gefangen zwischen banlieue, Polizeigewalt und der ständigen Drohung sozialer Auslöschung. Der Film erzählt von Freundschaft und Wut, von Ohnmacht, Perspektivlosigkeit und der Frage, wie Gewalt entsteht – und weitergegeben wird. Das berühmte Zitat »bis hier hin läuft alles gut« hallt bis heute nach: als Mantra des Verdrängens in einer Gesellschaft im freien Fall.

© Giovanna Bolliger

Die internationale Kooperation mit der griechischen Theatercompany Spectrum Amke nimmt La Haine als Ausgangspunkt, um gegenwärtige Formen des Lebens am Rand der Gesellschaft zu untersuchen. Neu geschriebene Texte aus dem Masterstudiengang »Professionelles Schreiben« der Friedrich-Schiller-Universität Jena übertragen Motive, Figuren und Konflikte des Films in die heutige Realität der Jenaer Peripherie. Es entstehen Szenen von Jugendlichen zwischen Herkunft und Herkunftslosigkeit, zwischen Plattenbau und globalen Bilderströmen, zwischen gesellschaftlicher Unzufriedenheit und dem Erstarken autoritärer und faschistischer Denkweisen. Der eigens für die Inszenierung entwickelte Hip-Hop-Soundtrack des Künstlers Sorbas knüpft an die musikalische DNA von »La Haine« an, in dem Rap als Stimme der Straße, als Ausdruck von Widerstand und Selbstbehauptung eine zentrale Rolle spielt.

Dabei geht es nicht um eine Nacherzählung des Films, sondern um seine Aktualisierung: Was bedeutet Hass heute? Wer darf sprechen, wer wird gehört, wer verschwindet aus dem Bild? Wie verändern sich Gewalt, Widerstand und Solidarität in einer Zeit sozialer Medien, verschärfter Ausgrenzung und politischer Radikalisierung?

Nach dem ersten Theateraustausch mit dem Örkény Színház in Budapest setzt das Theaterhaus in dieser Spielzeit seine internationale Zusammenarbeit mit Spectrum AMKE fort. Parallel zur Jenaer Produktion entsteht im Theatro Technis in Athen die Inszenierung »24 hours in a world that doesn’t belong to us« (Premiere: 16. Februar 2026, Regie: Pantelis Flatsousis). Beide Produktionen werden mit Künstler*innen aus Griechenland und Deutschland entwickelt und jeweils in der Partnerstadt gezeigt.

Theateraustausch Jena-Athen in Kooperation mit Spectrum AMKE und Theatro Technis Kooperation mit dem Masterstudiengang »Professionelles Schreiben« der FSU Jena
auf Deutsch, Rumänisch und Griechisch – mit deutschen Übertiteln
Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Es spielen: Ioana Nițulescu, Anna Maria Papaioannou, Florian Thongsap Welsch
Konzept, Bühne, Regie: Daniele Szeredy
Konzept, Dramaturgie: Josef Bäcker
Video: Gelly Pedefu
Live-Musik: Simon Schwan (Sorbas)
Kostüm: Shayenne Di Martino
Regieassistenz: Ioanna Lioutsia 
Ausstattungsassistenz: Lenni Hofer
Produktionsleitung: Maria Bornhorn

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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