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HARMONISCH REICHES PANORAMA - Neue CD: Anouchka und Katharina Hack bei Berlin Classics

Oktober 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Man kann sagen, dass der musikalischen DNA auf dieser CD in ganz besonderer Weise nachgespürt wird. Im Mittelpunkt dieses Albums steht Robert Schumann.

© Sophia Hegewald

 Die Fantasiestücke seien indentitätsstiftend für sie gewesen, so Anouchka Hack. Sie würden dafür stehen, wie sie ihren Duo-Klang und sich im Zusammenspiel gefunden hätten. An Schumanns op. 73 sind sie als Duo gewachsen, haben die Melodiefäden fein gesponnen und immer neue ästhetische Möglichkeiten entdeckt. 

Dazwischen begegnen dem Hörer hier Werke, die von ganz persönlichen Erinnerungen erzählen. Karel Svobodas Titelmusik zum Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" verbindet Anouchka Hack mit einer außergewöhnlichen Kindheitserinnerung. Die Eltern weckten die Tochter nachts, weil der Film unbedingt gesehen werden musste. So hat sich diese Musik als bewegende Erinnerung eingebrannt. Auch Leos Janaceks "Pohadka" philosophiert über jene geteilten Fantasiewelten, mit denen die Schwestern ihre Kindheit verbrachten. 

Und auch andere historische Künstlerkonstellationen ähneln hier den Geschwistern Hack - nämlich Nadia und Lili Boulanger, die mit einem komponierenden Vater aufwuchsen und Musikerinnen von Weltrang wurden. Lili Boulangers "Nocturne" und Nadia Boulangers "Cantique" werden auf dieser CD von Ernest Boulangers Stück "Bonjour mon coeur" in reizvoller Weise ergänzt. Alle drei Werke stehen in nuancenreichem F-Dur - wobei man den Eindruck einer zusammenhängenden Suite bekomme, so Katharina Hack. Die Musiker spüren den Klangwelten sehr sensibel nach. Zudem wird auf dieser bemerkenswerten CD an Otilie Sukova erinnert, Tochter von Antonin Dvorak, Schwiegertochter von Josef Suk. Sie war selbst Komponistin von hohem Rang gewesen, was ihr reizvolles Stück "Lullaby" beweist. Sie habe zwar wenig geschrieben, aber dafür mit einer wirklich überzeugenden Stärke. Marina Baranova hat die "Fantasy on La Boheme" als rhapsodische Hommage an Puccinis Oper geschaffen. Im Zentrum steht hier die berühmte Arie "Mi chiamano Mimi", die die ganze Schönheit und Tragik dieser Musik umfasst. 

Zum ersten Mal erklingt auf dieser CD auch die Musik des Vaters Hauke Hack. Seine Kompositionen "Mäander" und "Mäander II" für Cello solo wurden geschrieben, als die beiden Töchter noch Kinder waren. Wenn sie sie spiele, so Anouchka Hack, sei es ein bisschen so, als ob sie zusammensitzen würden und ihr Vater etwas erzähle. Und Katharina Hack hat hier ein eigenes Werk beigefügt. Es heißt "Helix" und ist eigentlich für Klavier solo. Es wurde für Anouchka um eine Cellostimme erweitert. Eine gemeinsame Improvisation der Schwestern ergänzt dieses musikalische Bild. Es ist stark verinnerlichte Musik, die den Hörer bewegt. Mit diesem Album werde die Lebendigkeit der Musik gefeiert, so Katharina Hack. Reibung, Harmonie, Einfluss und Ausdruck sowie das Eigene und Fremde würden sich in sinnvoller Weise ergänzen. Das kann man als Hörer sehr gut nachvollziehen.     

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