Theaterkompass.de Logo

FILIGRANER ZAUBER -- Neue CD zum 75. Geburtstag von Enjott Schneider bei Solo Musica erschienen

März 2025

ALEXANDER WALTHER 26.03.2025
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Der auch als Filmkomponist berühmt gewordene Enjott Schneider wird hier von der Bodensee Philharmonie unter der kompetenten Leitung von Gabriel Venzago eindrucksvoll vorgestellt. Der filigrane Zauber seiner Musik fesselt den Zuhörer - so auch auf dieser CD. Schneider ist eine der vielseitigsten Stimmen der zeitgenössischen Musik. Er schrieb auch die Filmmusik für die Streifen "Das Mädchen Rosemarie", "Schlafes Bruder" und "Stalingrad".

© Manfred Schneider, Portrait Enjott Schneider

Er studierte in Freiburg im Breisgau und promovierte dort im Jahre 1977. Von 1979 bis 2012 lehrte er an der Hochschule für Musik und Theater München. Der versierte Geiger Friedemann Eichhorn ist der Solist des Violinkonzerts mit dem Titel "Bridges to Infinity", das von der Kronberg Academy in Auftrag gegeben wurde. Es beschwört die magische Welt der Vögel - aber anders als etwa Olivier Messiaen. Tiefe und differenzierte Dynamik zeichnen diese subtile Aufnahme mit der Bodensee Philharmonie aus. Die arabische Diktion des Werkes verblüfft den Hörer. Das Schlagzeug-Quartett bildet einen reizvollen Kontrast.

Alexia Eichhorn (Viola) ist die Solistin des Viola-Konzerts "Fatal Harmonies", das die dramatische Zerrissenheit und Radikalität des Renaissance-Komponisten Carlo Gesualdo thematisiert, der seine Frau aus Eifersucht ermordete. Die kontrapunktische Meisterschaft von Gesualdos Madrigalkunst blitzt hier magisch hervor. Und die Schluss-Passacaglia fasziniert mit zahlreichen Glissando-Passagen, die sich tief einprägen.

Zuletzt begeistert der okkulte Zauber der Symphonie No. 8 "The Bell" für Sopran, Chor und Orchester. Hier agiert die in München geborene Sopranistin Julia Sophie Wagner mit dem Chor der KlangVerwaltung und der Bodensee Philharmonie unter Venzago mit sphärenhafter Leuchtkraft. Glockenklänge erhalten eine fast hypnotische Bedeutung. Der Klangradius weitet sich immer mehr aus. Asiatische Anklänge und dämonische Aspekte des Glockenklangs finden dabei eindringlich zusammen. Beim Satz "The Bells" findet sich auch eine originelle Hommage an William Byrd. Die Minimal Music und Arvo Pärt sind ebenfalls spürbar.

Nach dem romantischen Gedicht "Sehnsucht" von Otto Julius Bierbaum mit der Glocke als jenseitigem und göttlichem Element imponiert das überaus spirituelle Finale mit "Dona Nobis Pacem" mit einer Textzeile aus Friedrich Schillers berühmtem Gedicht "Die Glocke". Enjott Schneider erweist sich auf dieser CD vor allem als Meister der Instrumentationskunst.

Unbedingte Empfehlung!        
 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag



Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

Teile den Beitrag auf

Background image of the page