Peter Leibinger unterstrich als Vorsitzender des Kuratoriums, dass Rilling vor allem die Gesprächskonzerte geprägt habe. Und Hans-Christoph Rademann ergänzte als Leiter der Bachakademie, dass er ein "Jahrhundertmusiker" gewesen sei, der für ihn eine "Initialzündung" hinsichtlich des Musikerberufes war. Der frühere Ministerpräsident Winfried Kretschmann bemerkte, dass Rilling auch ein großer "Musikerklärer" war. In der DDR sei er ebenfalls erfolgreich tätig gewesen. Zudem habe er moderne Komponisten wie Penderecki und Rihm aufgeführt.
Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer ging auf seine "Stimme zur Völkerverständigung" ein und lobte Rillings großes Engagement für die christlich-jüdische Zusammenarbeit. "Wir Stuttgarter werden Rilling das ehrende Andenken bewahren", betonte sie. Der ehemalige Intendant der Bachakademie, Andreas Keller, bemerkte, dass Helmuth Rilling der "erfolgreichste Spendensammler" gewesen sei. Mit Größen wie Manfred Rommel und Lothar Späth habe er gut zusammengearbeitet und ihnen sogar das Dirigieren erklärt.
Keller erwähnte außerdem die denkwürdige Aufführung der Bachschen h-Moll-Messe in Weimar. Carsten Kretschmann sagte als Schwiegersohn Rillings, dass Rademann nun den Weg von Rilling weitergehe. Stuttgart sei das Zentrum von Helmuth Rillings Wirken gewesen. Prälat Martin Klumpp sprach im Zusammenhang mit Rilling von "Superlativen". Im Seminar von Urach habe er Rilling persönlich kennengelernt und sei von seinem "neuen Bach-Klang" sofort begeistert gewesen.
Denn Rilling habe in dieser Zeit die "Gächinger Kantorei" gegründet. Er habe Musikwissenschaft und Theologie in einzigartiger Weise miteinander verbunden. Diese bewegende Gedenkfeier wurde von eindrucksvoller Musik umrahmt. Kay Johannsen (Orgel) interpretierte zunächst die Passacaglia in c-Moll BWV 582 von Johann Sebastian Bach. Bei der altitalienischen Variationsform nahm der Basso continuo hier gewaltige Ausmaße an. Mit ergreifender Schlichtheit interpretierte die Gaechinger Cantorey dann den Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" aus der Kantate BWV 100. Mit Hille Perl (Viola da gamba) und Michael Behringer (Cembalo) erklang das dynamisch ausgewogene Andante aus der Sonate in D-Dur für obligates Cembalo und Viola da gamba. Die Gaechinger Cantorey interpetierte unter Hans-Christoph Rademann zusammen mit den vorzüglichen Solisten Natasha Schnur (Sopran), Jonathan Mayenschein (Altus), Christopher Renz (Tenor) und Tobias Berndt (Bass) den kontrapunktisch eindringlichen "Actus tragicus" BWV 106 aus der Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" von Johann Sebastian Bach. Und Kay Johannsen brillierte mit der imposanten Fuga (Allegro moderato) aus der Orgel-Sonate in c-Moll op. 65 Nr. 2 von Felix Mendelssohn Bartholdy. So klang diese Gedenkfeier würdevoll aus.

