Anschließend folgte die stürmisch und leidenschaftlich musizierte Sinfonie Nr. 7 in f-Moll von Emilie Mayer, die insgesamt acht Sinfonien schrieb und für die Gesellschaft im 19. Jahrhundert als "Enfant terrible" galt. Formale Freiheit und harmonische Wendungen stachen bei dieser gelungenen Wiedergabe mit den Würth Philharmonikern unter Hans-Christoph Rademann deutlich hervor. Tänzerisch, feurig und zart kamen die Melodien und Motive daher, die sich zu einem bewegenden Kosmos unterschiedlichster Klangwelten zusammenfügten. Auch die Pizzicato-Passagen wirkten hier ausgesprochen reizvoll. Die klassizistische klare Formensprache und den großflächigen Spannungsaufbau akzentuierten die Würth Philharmoniker unter Rademann ausgezeichnet. Die Sinfonie Nr. 7 ist Emilie Mayers letzte erhaltene Sinfonie. Trotz ihrer Erfolge in und außerhalb Berlins verschwand ihre Musik nach ihrem Tode im Jahre 1883 aus den Konzertsälen.
Mendelssohns Schwester Fanny Hensel war als Komponistin überaus produktiv, nahezu 450 Werke sind von ihr überliefert. Ihr früher Tod im Jahre 1837 verhinderte weitere Publikationen. Sie starb im Alter von 42 Jahren an einem Hirnschlag. 1986 wurde ihre Ouvertüre in C zum ersten Male nach ihrem Tod in der Alten Oper Frankfurt aufgeführt. Es ist das bisher einzige bekannte Orchesterwerk Fanny Hensels aus dem Jahre 1832. Und es handelt sich wiederum um einen musikalischen Schatz, der erfolgreich ausgegraben wurde. Das vielschichtige Klangbild und die kontrapunktische Meisterschaft kamen bei der temperamentvollen Wiedergabe mit den Würth Philharmonikern unter Rademann sehr gut zum Vorschein. Melancholie und schwungvolle Lebendigkeit wechselten sich hier in rasanter Weise ab. Vor allem die farbenreiche Instrumentation stach überaus leuchtkräftig hervor.
Fanny Hensels Oratorium nach Bildern der Bibel entstand innerhalb von nur sechs Wochen. Sie selbst bezeichnete es als "Cholerakantate" beziehungsweise "Choleramusik". Es werden darin die Eindrücke der Choleraepidemie verarbeitet, die in den 1830-er Jahren in vielen deutschen Städten zehntausende Todesopfer forderte. Bei Chormusik kannte sich Fanny Hensel bestens aus, denn bei der Wiederaufführung der "Matthäus"-Passion von Bach sang sie unter der Leitung ihres Bruders im Chor mit. Die souveräne Beherrschung gesanglicher Stilmittel merkt man deswegen auch diesem Oratorium deutlich an. Die Textgrundlage dieses 35-minütigen Werkes stellte Fanny Hensel selbst zusammen. Eine fortlaufende Handlung besitzt diese Komposition nicht. Auffallend ist aber die passende dramaturgische Entwicklung. Der zunächst strenge und strafende Gott wandelt sich zu einem Erbarmer und Retter.
Genau diesen Aspekt betonte Hans-Christoph Rademann mit den Würth Philharmonikern, dem Chor der Gaechinger Cantorey und den vorzüglichen Gesangssolisten Catalina Bertucci (Sopran), Magdalena Hinz (Alt), Julian Habermann (Tenor) und Kresimir Strazanac (Bass) exzellent. Dabei stach der Trauerchor in eindrucksvoller Weise hervor. Die doppelchörige Einführung und der achtstimmige Chor besaßen erstaunlichen Klangfarbenreichtum und intensive Ausdruckskraft. Und der "Chor der Seligen" überzeugte mit einer ergreifenden, sphärenhaften Aura, die neue klangliche Dimensionen öffnete. Gerade der anfängliche Chor a cappella weckte deutliche Assoziationen zum Werk Johann Sebastian Bachs, den Fanny Hensel verehrte.
Zuletzt viele "Bravo"-Rufe und tosender Schlussapplaus!


