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MUSIKALISCHE STERNSTUNDE - Gustav Mahler: Sinfonien Nr. 1 bis 9 mit der Tschechischen Philharmonie bei Pentatone

Mai 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Die Tschechische Philharmonie ist unter Dirigenten wie Vaclav Neumann und Karel Ancerl berühmt geworden. Von hoher musikalischer Qualität ist auch diese Einspielung der Sinfonien Nr. 1 bis 9 von Gustav Mahler mit der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von Semyon Bychkov. Hervorzuheben ist hier vor allem der voluminöse Klang der Streicher mit schönen Legato-Bögen.

© sp@naxos.de

Dies zeigt sich insbesondere bei der Interpetation des ersten Satzes der Sinfonie Nr. 7 in e-Moll aus dem Jahre 1905, wo das tastend dumpfe Drängen der Harmonik überzeugend hervorgehoben wird. Die Bläser rufen sehr energisch das zukunftsweisende Thema auf, mit Heldenpose erscheint das Hauptthema. Die Violinen intonieren das zweite Thema ausgesprochen leidenschaftlich. Und die Durchführung der Sonatenform erhält eine genaue Struktur, die nie auseinanderfällt. Sieghaft jubelnde Selbstbestätigung wird nicht übertrieben. 

Eindrucksvoll gelingt auch die monumentale achte Sinfonie in Es-Dur, die berühmte "Sinfonie der Tausend".  Dies liegt auch an den vortrefflichen Gesangssolisten Sarah Wegener (Sopran1), Katerina Knezikova (Sopran 2), Miriam Kutrowatz (Sopran 3), Stefanie Iranyi (Mezzosopran 1), Jennifer Johnston (Mezzosopran 2), David Butt Philip (Tenor), Adam Plachetka (Bariton)  sowie David Steffens (Bass). Der Prager Philharmonische Chor  und der Tschechische Philharmonische Chor von Brno sowie der Prager Philharmonische Kinderchor durchleuchten zusammen mit der vorzüglichen Tschechischen Philharmonie den überdimensionalen Klangapparat höchst eindringlich. Paul Bekker sprach hier von einem "kosmischen Klanggefühl", das man nur bestätigen kann. Vor allem werden alle Motive und Themen so zusammengehalten, dass auch die Melodik zu ihrem Recht kommt und nie auseinanderbricht. Die Stimmen eilen  in atemlosen Fugato-Einsätzen vorwärts und der Klangrausch der letzten Schlusssteigerung gelingt überwältigend. Im zweiten Teil faszinieren die wechselvollen Stimmungen der Schlussszene aus Goethes "Faust II", wobei der mystische Grundzug des Werkes nicht übertrieben wird. Zuletzt klingt alles im machtvollen Glanz des "Veni, creator spiritus"-Geistes aus. 

Sphärenhaft leicht erscheint die Sinfonie Nr. 4 G-Dur mit der Sopranistin Chen Reiss. Sehr überzeugend gelingt bei dieser Einspielung aber auch die Wiedergabe der Sinfonie Nr. 5 in cis-Moll. Insbesondere das Rondo-Finale mit seinen enormen spieltechnischen Anforderungen und der ungeheuren Doppelfuge sowie dem Choral bleibt hier im Gedächtnis. 

Das Finale der ersten Sinfonie in D-Dur ist ebenfalls ein klanglicher Höhepunkt. Aus Motivteilen wird dabei allmählich das erste Thema geboren. Mit seiner entschlossenen Energie lässt es sich sogleich in die hitzige Durchführung ein. Der befreite Bläser-Jubel des Schlusses geht unter die Haut.

Die gewaltigen Auseinandersetzungen in der Sinfonie Nr. 6 in a-Moll prägen sich beim Hörer tief ein. Das Dur-Moll-Schicksalsmotiv nach den wuchtigen Hammerschlägen tritt in unerblittlicher Größe hervor. 

Ein weiteres "Highlight" ist das ergreifend musizierte Finale der Sinfonie Nr. 9 in D-Dur, wo insbesondere die Violinen in jeder Beziehung glänzen! Der Einfluss Bruckners ist zwar herauszuhören, aber in deutlicher harmonischer Weiterentwicklung. Im ersten Satz bleiben die Blechbläser eher im Hintergrund, was die akustische Präsenz zwar mindert, aber nicht stört. 

Über Gustav Mahlers Musik gab es oft Fehlurteile. "Meine Zeit wird kommen", meinte der immer wieder unterschätzte Komponist. Mit dieser Einspielung wird die Erkenntnis bestätigt. Eine musikalische Sternstunde.  

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