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DIE TIERE TRIUMPHIEREN -- Camille Saint-Saens: The Complete Concertos Vol. 3 bei Berlin Classics

Mai 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Diese verdienstvolle Reihe wird durch die Schweizer Orpheum Stiftung und die ebenfalls in der Schweiz ansässige Stiftung Eppur si muove gefördert. Ziel ist es, junge Musikerinnen und Musiker mit herausragenden Partnern zusammenzubringen und ihnen so den Start für eine internationale Karriere zu ermöglichen. Auch die dritte Folge dieser vortrefflichen Einspielung wird vom ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der erfahrenen Leitung von Howard Griffiths bestritten.

Zunächst interpretiert die aus Südchina stammende Pianistin Yilan Zhao Saint-Saens' erstes Klavierkonzert in D-Dur op. 17. Virtuosität und Nachdenklichkeit paaren sich mit vollendeter Klarheit und bestechender Aufmachung. Und auch Tiefgründigkeit der Philosophie und des Gefühls fehlen nicht. Selbst die Orchesterfarben strahlen immer wieder in hellem Glanz. Wie hier aus dem Hornsignal das Hauptthema entsteht, ist beispielhaft. Das starke Kontrastthema folgt dann in den Bläsern. Die ungeheure dynamische Steigerung bis hin zu den D-Dur-Schlussakkorden interpretiert Yilan Zhao ausgezeichnet. Im letzten Satz dieses Klavierkonzerts gibt es ebenfalls ein Signalthema. Das g-Moll erinnert an die Todestonart aus der "Zauberflöte", danach folgt eine erstaunliche Aufhellung von B-Dur nach F-Dur. Die virtuose Brillanz erscheint hier nirgends vordergründig. 

Die vielfach ausgezeichnete Cellistin Hayoung Choi aus Bielefeld interpretiert dann das Cellokonzert Nr. 1 in a-Moll op. 33 von Camille Saint-Saens mit Farbenreichtum und technischer Brillanz. Beim Klavierkonzert blitzt der Einfluss Franz Liszts hervor, während  die Prägnanz der Sonatenform im ersten Satz besticht. Zum Tremolo der Streicher setzt das Cello im ersten Takt temperamentvoll mit dem Hauptgedanken ein. Die Cellistin leitet dann einfühlsam zum ruhig schreitenden zweiten Thema über, das gleich wieder vom Triolenfluss abgelöst wird. In der Durchführung wird das Hauptthema kunstvoll verarbeitet und bei dieser Einspielung transparent interpretiert. Im Finalsatz kehrt sie sehr vital wieder. Die drei Sätze fließen pausenlos ineinander über. Das lyrische Kontrastthema entwickelt sich zum komplizierten Doppelgriff. Und im Finale blühen bei dieser hervorragenden Wiedergabe die Melodien in wunderbarer Weise auf! 

Das exzellente Klavier-Duo Ilyun Bürkev und Arya Su Gülenc interpretiert zuletzt den berühmten "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens mit federnder Leichtigkeit, Humor und unbändiger Spielfreude. Der "Karneval der Tiere" wurde für zwei Klaviere und kleines Orchester geschrieben. In den 14 Tierporträts gestaltet der Komponist interessante Klangprofile. Hühner erscheinen markant in den Streichern, während die Esel mit nur zwei Violinen daherkommen und die "Halbesel" originell über die Tasten huschen! Die Interpreten werden hier satirisch aufs Korn genommen. Höhepunkt dieser Einspielung ist dann das grandiose Finale, wo Löwen, Kängurus, Hühner und Esel sich furios zum Stelldichein einfinden. Der Schwan erscheint in einer ergreifend gestalteten, absteigenden Dreitonfigur und einer aufsteigenden Tonleiter, die über die Oktave in imponierender Weise hinauswächst. Die Schönheit dieser Melodie ist wirklich bestrickend. Klaviere und Orchester finden ganz zusammen.  

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