Von Gioacchino Rossini erklingt die Arie "Largo al factotum della citta!" aus dem "Barbier von Sevilla" mit unverkennbar mediterranem Zauber. Mit weichen und betörenden Kantilenen wartet auch "Una furtiva lagrima" aus Gaetano Donizettis "Liebestrank" auf, während Giacomo Puccinis "E lucevan le stelle" aus "Tosca" eine bewegende Verismo-Aura verströmt. Das renommierte italienische Kammerorchester "I Solisti di Pavia" beeindruckt dabei mit einer fulminanten Begleitung und raffinierten Arrangements von Wolfgang Renz.
Mit seiner Virtuosität beeindruckt Felix Klieser auch auf dieser besonderen CD. Für seine künstlerische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet - unter anderem mit dem "Echo Klassik" und dem "Leonard-Bernstein-Award". Für ihn sind Horn und Gesang eng miteinander verbunden. Arien zu spielen sei unglaublich angenehm, weil die Art zu phrasieren, zu atmen und zu stützen im Gesang und beim Horn identisch sei. Das Seufzen in "O Sole Mio" von Eduardo di Capua, die langen Triller bei "Juste ciel" aus "Le siege de Corinthe" von Gioacchino Rossini oder der beschwingte Walzer aus "La Donna e mobile" aus Giuseppe Verdis "Rigoletto" besitzen Verve und Grandezza, wobei der Parlando-Zauber nicht zu kurz kommt.
Klieser betont, dass er seine Interpretationen nicht intellektuell erklären wolle, so funktioniere er nicht. Er atme einmal tief auf, puste aus und dann verselbstständige sich alles. Hier herrschen tatsächlich Emotionen ohne Worte. Das Horn übernimmt die Gesangsrolle, zeichnet die melodischen Bögen minuziös nach. Das ist vor allem auch bei "Un bel di vedremo" aus Giacomo Puccinis "Madama Butterfly" der Fall. Und auch "Come per me sereno" aus Vincenzo Bellinis "La sonnambula" verblüfft mit melodischer Intensität. Selbst die Nähe zu Koloraturarien hört man dabei anders. Interessant ist hier ebenfalls "Nessun dorma" aus Giacomo Puccinis "Turandot", wo es bemerkenswerte dynamische Kontraste gibt. Natürlich klingt manche Sequenz hier leiser und kammermusikalischer, was vor allem "O mio babbino" aus Giacomo Puccinis "Gianni Schicchi" zugute kommt.
Folkloristische Reize besitzt ferner "Parla piu piano" von Nino Rota, wo der Zauber der italienischen Piazza bei der untergehenden Sonne aufzustrahlen scheint. Klischees werden bei dieser gelungnen Aufnahme glücklicherweise nicht bedient. Die Akustik des Teatro Fraschini in Pavia (wo diese Aufnahmen stattfanden) kann sich in raffinierten Schattierungen entfalten. Empfehlung!


