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EHRENRETTUNG FÜR DAS VIOLINKONZERT -- Die Geigerin Midori mit Werken von Robert und Clara Schumann bei Pentatone

Februar 2026

ALEXANDER WALTHER 23.02.2026

Midori präsentiert zusammen mit Festival Strings Lucerne unter der einfühlsamen Leitung von Daniel Dodds eine Art Ehrenrettung für dieses verkannte Violinkonzert in d-Moll WoO. 23 von Robert Schumann, das im Jahre 1853 entstand und erst 1938 unter den Nationalsozialisten uraufgeführt wurde. Das Werk sei durch Schumanns zunehmende Geisteskrankheit belastet, monierten einige Kritiker. Eine Feststellung, die man angesichts dieser eindrucksvollen Einspielung nicht nachvollziehen kann.

© Pentatone

So ist eine Art Ehrenrettung für dieses Werk entstanden. Man hat dem Stück auch "Unspielbarkeit" im Schlusssatz vorgeworfen. Das Werk soll laut Schumann hier in einem mäßigen Tempo gespielt werden, woran sich viele Interpreten nicht halten. Anders Midori. Es gelingt ihr von Anfang an, die elektrisierende Spannungskraft und die melodischen Schönheiten dieser Komposition offenzulegen. Schumann hatte eine "stattliche Polonaise" im Sinn, was Midori überzeugend herausarbeitet. Die Uraufführung des Violinkonzerts in d-Moll von Robert Schumann stieß in Deutschland übrigens auf eine überwiegend positive Resonanz. Hans Pfitzner etwa meinte im Jahre 1938, es könne keine Rede davon sein, dass dieses Konzert das Werk eines Wahnsinnigen sei. Man müsse Joseph Joachim Unrecht geben, der sagte, dass der Violinpart undankbar sei. Er sei enorm schwer, aber es würden hier Klangwirkungen entstehen, die geradezu neu seien und jeden Virtuosen-Geiger interessieren müssten. 

Übrigens spielte auch Yehudi Menuhin das Konzert im Dezember 1937 in Amerika. Die Benutzung der NS-Propaganda hatte leider eine negative Auswirkung. Der Musikwissenschaftler Kurt Pahlen meinte sogar, das Werk biete lediglich "Material für den Psychiater". Midori gewinnt dieser Komposition ungewöhnliche dynamische Kontraste, eine meisterhafte Virtuosität und erstaunlichen Klangfarbenreichtum ab, die sie hörenswert macht. Sehr gut nachvollziehen kann man bei dieser Einspielung die monumental angelegte Orchesterexposition mit dem erhabenen Thema des ersten Satzes, dem ein lyrisches Thema folgt. Solovioline und Orchester befinden sich bei dieser Intepretation bei der Durchführung in einem ausgesprochen lebendigen Dialog. Harmonische Veränderungen stehen immer wieder stark im Vordergrund. Thematische Entwicklungen verblassen. Barocke Figurationen glänzen in der virtuosen Solostimme der Violine. In der Coda kommt es zu einer eindringlichen Verschmelzung der beiden Themen. Sehr schön musiziert Midori außerdem das lyrisch-gesangliche Solothema des zweiten Satzes. Ein Accelerando leitet schwungvoll zum dritten Satz über, wo Rondo und Sonatenform kunstvoll miteinander verbunden werden. Die in geradezu hymnischem D-Dur endende Coda beweist nochmals kontrapunktische Zauberkraft. Themen und Motive werden in facettenreicher Weise miteinander verzahnt. Natürlich ist der Orchesterpart nicht unproblematisch, doch es gelingt eine klanglich transparente Wiedergabe. 

Von Robert Schumann erklingen auf dieser CD zusätzlich fünf Stücke im Volkston op. 102 in der Fassung für Violine und Klavier, wo die Geigerin Midori von Özgür Aydin am Klavier in bewegender Weise begleitet wird. Frische und Originalität (die schon Clara Schumann hier faszinierten) sind auch bei dieser schwungvollen Interpretation herauszuhören. Und auch die drei Romanzen op. 94 zeigen Robert Schumann hier als einen Meister der melodischen Intensität ohne Formstrenge. 

Bei den drei Romanzen op. 22 von Clara Schumann überrascht sogar die Nähe zu Johannes Brahms. Starke emotionale Züge unterstreichen dabei die starke Verbindung zur klassisch-romantischen Tradition, wobei die musikalische Poetik der Welt Robert Schumanns ebenfalls deutlich durchschimmert. Klangliche Differenzierung und lyrisch-harmonischer Zauber wechseln sich reizvoll ab. 

Man kann die Einspielung sehr empfehlen. 

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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