Von Mai 2000 bis Dezember 2001 saß die Queen einmal im Monat mehrere Stunden lang Modell für den größten Porträtmaler des Vereinigten Königreichs, Lucian Freud. Lea Singer erzählt hier sehr spannend und aufschlussreich, was hinter verschlossenen Türen geschah: "Die Königin hätte wissen müssen, was sie zu erwarten hatte." Und der Maler Lucian erwidert: "Hat sie gewusst, besser als ich". Eine leise und feine Ironie durchzieht dieses Buch, obwohl es manchmal Schwachstellen gibt. Doch die Wahrheit wird immer wieder knallhart auf den Punkt gebracht: "Hier kommt das Beste, nein das Zweitbeste: Freud sollte dafür in den Tower gesperrt werden". Der schwarze Humor triumphiert! "Das mit dem Tower ist ein großes Lob, finde ich. Da wären Sie in bester Gesellschaft mit Leuten, die im Knast landen, weil sie die Wahrheit gesagt haben".
Zum 100. Geburtstag der Queen am 21. April 2026 ist dieses Buch erschienen, das auf gründlicher Recherche beruht. Der fast 80jährige Lucian Freud befindet sich in einer persönlichen Krise, als er den Auftrag erhält, die Queen zu porträtieren. Und Queen Elizabeth II. hat ihrerseits nach dem Unfalltod von Lady Di ein massives Imageproblem. Obwohl Freud als unberechenbar und skandalös gilt, willigt sie ein. Das Porträt soll zum Krönungsjubiläum fertig werden. Dies schildert die Autorin Lea Singer mit genauem Blick und zuweilen sarkastischem Unterton: "Sie sollten es im Scheißhaus aufhängen, las die Metzgerstochter". Man spürt, dass hier auch gesellschaftliche Normen und Regeln einfach ad absurdum geführt werden sollen. Die britische Gesellschaft wird kritisch unter die Lupe genommen. Aber eine Satire ist dennoch nicht daraus geworden. Sarkasmus dominiert: "Lucian Freuds Verhältnis zu Ratten war immer gut gewesen. Früher hatte er zwar am Regent's Canal mit seinem eigenen Gewehr fast täglich einige von ihnen abgeknallt, um seine Raubvögel zu füttern, Ratten waren in London niemals Mangelware..."
Zuletzt resümiert der Maler lakonisch: "Auf den Tower würde ich gerne verzichten". Zuweilen hat man beim Lesen das Gefühl, dass Freud sich tatsächlich zu Tode malen könnte, wie das einmal fast beiläufig erwähnt wird. Die Lektüre ist trotzdem kurzweilig und bietet stellenweise vergnügliche Unterhaltung.


