Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
SEELISCHES ERLEBEN DER MUSIK -- Klaviertrios im Kronenzentrum/BIETIGHEIM-BISSINGENSEELISCHES ERLEBEN DER MUSIK -- Klaviertrios im...SEELISCHES ERLEBEN DER...

SEELISCHES ERLEBEN DER MUSIK -- Klaviertrios im Kronenzentrum/BIETIGHEIM-BISSINGEN

am 25. November 2024

Was haben Schubert, Brahms und Tschaikowsky gemeinsam? Wohl den Blick für das seelische Erlebnis der musikalischen Sprache. Drei Professoren der Hochschule für Musik und Theater München bestritten dieses bewegende Kammerkonzert mit Klaviertrios.

Ilona Then-Bergh (Violine), Wen-Sinn Yang (Violoncello) und Michael Schäfer (Klavier) eröffneten den Reigen mit dem einsätzigen Klaviertrio in B-Dur D 28 von Franz Schubert, das dieser als Fünfzehnjähriger schrieb. Vieles erinnerte hier an Haydn, vor allem dem Cello werden gewichtige Aufgaben zugeschrieben. Und so konnten sich die Themen und Motive präzise und eindringlich entfalten. Nach drei wuchtigen  Eröffnungsakkorden entspann sich ein erfrischender Dialog zwischen den Instrumenten, wobei  dynamische Kontraste und rasante Triolenketten hervorstachen. Der überschaubare formale Rahmen ermöglichte auch ein zuweilen lyrisches Stimmungsbild.

Eine reife Interpretation boten die Musiker dann beim Klaviertrio in C-Dur op. 87 von Johannes Brahms, das in den Jahren 1880 bis 1882 in Bad Ischl komponiert wurde. Die thematische Arbeit konnte sich hier sehr kunstvoll entfalten. Der aus vier Themen entwickelte Kopfsatz zeigte einen energischen Ausdruck mit lyrischen Kontrasten. Der Triolenrhythmus und die Chromatik waren deutlich ungarisch gefärbt. Und das Hauptthema beherrschte die Durchführung  sehr konsequent. Vor allem die umfangreiche Coda besaß bei diesem Spiel höchste Konzentration und harmonische Dichte.  Auch der langsame Satz beeindruckte mit seinem Thema a l'hongroise mit synkopierten und chromatisierten Klavierakkorden, die Michael Schäfer sehr einfühlsam betonte. Im Scherzo entfaltete sich der Pianissimo-Zauber wie von selbst, romantische Passagen stachen in bewegender Weise hervor. Das Finale imponierte als erfrischender Sonatensatz, der in einer großen Coda endete.

Sehr berührend gestalteten die Musiker dann zuletzt das Klaviertrio in a-Moll op. 50 von Peter Tschaikowsky, das im Kopfsatz von einer Quinte beherrscht wird. Die russisch gefärbte Klangmelodie wurde mit großer Intensität musiziert. Auch die trauermarschartigen Klavierrhythmen hinterließen einen tiefen Eindruck. Nach einem kräftigen Fortissimo in der Dur-Dominante zeigte die geheimnisvoll verklingende Coda reiche Klangfarben. Das russische Lied im zweiten Satz gewann bei dieser ausdrucksvollen Wiedergabe einen immer größeren dynamischen Radius.  Die erste Melodie erschien als Cantus firmus in der Geige und im Violoncello. Tempo di Valse in A-Dur zeigte sich formal stark gedehnt. Es folgten schließlich die großen Steigerungen der Fuge. Reizvoll gespielt war außerdem das temperamentvolle Rondo-Finale in A-Dur mit dem rhythmisch veränderten Thema. Ein resignierter rhapsodischer Schluss in a-Moll beendete diese meisterhafte Wiedergabe, die die russische Seele passend zu Gehör brachte.

Als Zugabe folgte noch ein wunderbares Liebeslied von Joel Engel, der sich mit traditioneller jüdischer Musik beschäftigte.
 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

AUS DEM DUNKEL INS LICHT -- Neue CD: Die Würth Philharmoniker und Thomas Hampson (Bariton) bei hänssler Classic

Das dritte Album der Würth Philharmoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Claudio Vandelli präsentiert den berühmten US-amerikanischen Bariton Thomas Hampson. Die Würth Philharmoniker, die auf…

Von: ALEXANDER WALTHER

NORDISCHE KLANGFARBEN -- Neue CD "Northern Colours" mit Felix Klieser (Horn) bei Berlin Classics erschienen

Im Zentrum des neuen Albums von Felix Klieser (Horn) steht das inspirierende Werk "Soundscape - A Walk in Colours" op. 118 von Rolf Martinsson, der 1956 in Schweden geboren wurde. Der Komponist hat…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIE TOTEN KOMMEN WIEDER -- Premiere "Antigone. Ein Requiem" von Thomas Köck im Schauspiel Nord/STUTTGART

"Sag mir nur eins, was taugt der Frieden hier, wenn er Leichen an den Strand spült, was für ein Frieden soll das sein?" fragt Antigone ihren Gegenspieler Kreon. Wer übernimmt eigentlich Verantwortung…

Von: ALEXANDER WALTHER

MIT VERVE UND ESPRIT -- Neue 4-CD-Box beim Label Naxos erschienen: Berühmte Orchesterwerke und Walzer von Johann Strauss II

Das Slowakische Staatliche Philharmonische Orchester, das Slowakische Radio Sinfonieorchester, das Polnische Staatliche Philharmonische Orchester Katowicze und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIVERSE LACHVARIATIONEN -- Kabarett mit Eva Eiselt im Kleinkunstkeller BIETIGHEIM-BISSINGEN

Putin, Trump und Kaiser Wilhelm I. möchte sie am liebsten unter Denkmalschutz stellen lassen. Die Kabarettistin Eva Eiselt erhielt nicht nur den Deutschen Kabarettpreis, sondern auch den goldenen…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑
StartseiteBeiträgeKritikenHintergründeTheatermacherServiceFachbegriffeSuche