
"Ich arbeite mit Tricks", bekannte Brodowy und erinnerte an Zirkusnummern von Charlie Rivel. Aus einem verzagten Arsch komme kein vergnügter Furz. Der Song "Es ist keine Zeit für Pessimismus" überzeugte mit eingängigen Melodien. 28 Millionen Menschen seien ehrenamtlich aktiv. Es gebe allerdings auch übereifrige Ehrenamtliche. Beim Spruch "Lass' doch einfach die Kohlehydrate weg" erinnerte er an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Und er erzählte die vergnügliche Story von zwei höchst unterschiedlichen Verwandten - einem CDU-Mann und einem strammen Kommunisten aus der DDR, die die Streitkultur pflegten. Die Regierung schicke immer wieder von Bundeskanzler Scholz bezahlte Kabarettisten ins Land! Mit Trump und Musk sei dann die Zeit der Oligarchen hereingebrochen. Bei "diesem Männchen" Zuckerberg denke er an Alfred Hugenberg. Und Alice Weidel habe sich mit ihrer Bemerkung, dass Hitler ein Kommunist gewesen sei, doch gehörig vergaloppiert! Da hätte auch Alexander Gauland nicht viel hinzuzufügen brauchen. Wenn Arschgeigen Musik machen würden, wachse eben kein Gras mehr.
Mit dem Song "Das Wasser ist viel zu tief" bewies Matthias Brodowy seine hohe musikalische Qualität, die sich manchmal auch an Herbert Grönemeyer oder Reinhard Mey orientiert. Europa sei an seiner verzwickten Situation selber schuld. Er erinnerte an legendäre Kabarettisten wie Wolfgang Neuss, Dieter Hildebrandt oder Hanns-Dieter Hüsch. Beim Lied "Zirkusdirektor werden" ging er nochmals ganz aus sich heraus. Witzig war seine Hymne auf die "Kloschüssel": "Flöten Sie mal ins Klo, da kommt ein Fagott wieder raus!" Die "Kulturgeschichte des Urinals" erfuhr bei ihm viele Variationen bis hin zum Plastik-Fußballtor: "Wie Adolf Hitler sitz' ich hier, die braune Masse hinter mir..."
Manchmal schoss Brodowy scharfe und sarkastische rhetorische Pfeile ab, die es in sich hatten. Der "Nazi-Scheiß" sei eben nicht von "Karl Murks". Und er erwähnte sogar eine Voodoo-Puppe. Der Song "Ein ganz normaler Tag in dieser Stadt" entführte das Publikum wieder in gänzlich andere Gefilde. "Ich war Öko-Terrorist, bevor ich Kabarettist wurde", bekannte Brodowy. Unter Polizeieinsatz habe er gegen "McDonalds" protestiert. Ein guter Song war ferner "Die Büchse der Pandora", wo er stilvoll das Klavier mit einbzog. Doch seine musikalische Liebe gehöre auch der Orgel, er sei C-Musiker. Das Lied "In seiner Welt tickt die Uhr anders" erinnerte berührend an einen alten Mann, dessen Welt sich für Minuten mit der seiner Enkelin trifft. "Machen Sie Blödsinn, bringen Sie dieses Land zum Lachen!" forderte Matthias Brodowy sein Publikum auf. "Seien Sie humoristisch!" rief er.
Man solle Menschen auch mit Planeten vergleichen - die "Arschlöcher" würden alle vom "Uranus" kommen! Mit einem bewegenden "Gute-Nacht-Lied" verabschiedete sich Matthias Brodowy von den zahlreich erschienenen Gästen. Senioren würden im Internet verschwinden, weil sie "Alt" und "Entfernen" drücken. So war dieses Programm vor der Wahl durchaus geeignet, die Leute nachdenklich zu machen. Den Kopf in den Sand zu stecken, sei definitiv nicht "atmungsaktiv". Es sei schade, die Welt Leuten zu überlassen, denen man es sowieso nicht recht machen könne. Matthias Brodowy wurde 1989 von Hanns-Dieter Hüsch entdeckt und erhielt zahlreiche Kabarettpreise.