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REIZVOLLE KONTRASTE -- Neue CD mit Septetten von Beethoven und Kreutzer bei CAvi-music erschienen

März 2025

ALEXANDER WALTHER 20.03.2025
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Zwei bedeutende Kammermusikwerke sind auf dieser bemerkenswerten Aufnahme zu hören: Ludwig van Beethovens Septett in Es-Dur op. 20 aus dem Jahre 1799 und Conradin Kreutzers Septett in Es-Dur op. 62 von 1822. Franziska Hölscher (Violine), Sebastian Manz (Klarinette), Theo Plath (Fagott), Felix Klieser (Horn), Haesu Lee (Viola), Andrei Ionita (Violoncello) und Dominik Wagner (Kontrabass) präsentierten eine interessante Gegenüberstellung eines bekannten und weniger bekannten Werkes.

© Astrid Ackermann

Bei Beethovens Septett haben sich die Musiker vor allem mit den vorgegebenen Tempi intensiv auseinandergesetzt, was man sehr deutlich hört. Die selbstbewusste musikalische Sprache Beethovens kommt jedenfalls nicht zu kurz. Kreutzers Musik ist für das Ensemble dagegen eine Neuentdeckung. Ihre Klangsprache ist anders als die Beethovens, besitzt jedoch eine ausgesprochen eigenständige Melodik.  Kreutzer war vor allem ein bekannter Opernkomponist ("Das Nachtlager von Grenada").

Bei Beethoven wird in dieser Interpretation deutlich die Nähe zu Schuberts Oktett akzentuiert. Der erste Sonatensatz wirkt hier sehr sinfonisch. Farbenreiche Melodik herrscht immer vor. Durchführung und Coda besitzen energiegeladene Strukturen. Im Adagio beeindrucken die fein herausgearbeiteten dynamischen Kontraste, wobei die Klarinette die anderen Instrumente deutlich inspiriert. Fagott und Horn führen kein Eigenleben, sondern fügen sich nahtlos in den harmonischen Sog ein. Das Menuett erinnert an den zweiten Satz von Beethovens Klaviersonate op. 49/2. Es fehlt jedoch die einfache Punktierung. Das Andante besticht mit einem volkstümlich-eingängigen Thema, das bis zur Coda in reizvoller Weise verändert wird. Eine absteigende Dreiklangsfanfare eröffnet den erfrischenden Scherzo-Satz.

Bei Conradin Kreutzer fällt bei dieser Wiedergabe oftmals die opernhafte Emphase auf, die zwischen filigranen Arabesken und Kaskaden in ungewöhnlicher Weise hervorblitzt. Die lyrischen Passagen gelingen beglückend, romantisches Kolorit erscheint nicht allzu biedermeierlich. Ein volkstümlich-schwäbischer Liedton schwingt in bewegender Weise mit. Der romanzenhafte Charakter zeigt  sich vor allem in der motivischen und thematischen Entwicklung.  Das Andante in b-Moll besticht mit punktierten Rhythmen im Stil der französischen Ouvertüre. Und das Adagio wiegt sich ausgewogen im Dreiertakt. Es dominiert ein kantables Klarinettenthema. Man spürt, dass Kreutzer sich hier trotz allem an Beethovens Septett orientiert. Manches hat sinfonische Dimensionen.  

Die Aufnahmen für dieses hörenswerte Album fanden im Studio des Bayerischen Rundfunks statt. Beide Kompositionen erscheinen in neuem Licht.
 

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