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RAFFINIERTE FANTASIELANDSCHAFT -- "Dragons" mit der Eun-Me Ahn Company im Forum am Schlosspark LUDWIGSBURG

am 9. November 2024

ALEXANDER WALTHER 10.11.2024

Die Südkoreanerin Eun-Me Ahn inszeniert ihr Drachenstück als rhythmisch überaus faszinierende One-Woman-Show. In "Dragons" geht es um die Hoffnungen und Ängste junger Menschen. Blicken diese jungen Menschen noch mit der Zuversicht von Drachen in die digitale Zukunft? In der chinesischen Kultur symbolisiert der Drache Macht, Glück und Stärke. Davon erzählt dieses ungewöhnlich farbige Stück inmitten fantastischer Projektionen, Farbwirbeln und surrealen Landschaften, die sich ausweiten.

© Eun-Me Ahn Company

Selbst Wasserfälle werden hier optisch eingebunden. Aus riesigen Flex-Röhren ragen Arme, neue Beine oder Rüssel hervor. Die Röhren spielen auf die kunstvollen und meterlangen Drachenfiguren aus den klassischen chinesischen Drachentänzen an. Dazu passt die fast hypnotisch wirkende Musik von Young-Gyu Jang.  Alte asiatische Klänge werden mit fetzigen Pop-Rhythmen verbunden. Die Atmosphäre des Street Dance vermischt sich dabei mit den unterschiedlichsten Stilen der asiatischen "Drachenländer".

Dazu kommen Elemente des indonesischen Kathak, des japanischen Kabuki und des thailändischen Khon-Maskentanzes. Meditative Kampfkunst verbindet sich suggestiv mit Lotosblütenzauber. Trippelschritte und hypnotische Drehwirbel fesseln die Zuschauer. Man scheint dank der Video-Kunst von Taeseok Lee zwischen Himmel und Erde zu schweben. Schillernd und vielgestaltig erzählt dieses Stück die aufregende Geschichte von  tausend Jahren. Die 1963 geborene Eun-Me Ahn erscheint auch hier knallbunt gekleidet und möchte der Welt des braven koreanischen Mädchens entkommen. In ihrer Neugier geht sie über alle Grenzen.

Traditionelle Rollenklischees werden bewusst hinterfragt. Die Drachen setzt Ahn in aufregenden Bezug zur Generation der Millenials, denn alle Tänzerinnen und Tänzer wurden hier im Jahr 2000 oder später geboren. Es war im chinesischen Tierkreis ein Jahr des Drachen. Raffinierte Projektionen legen dabei immer wieder eine geradezu irisierede Fantasielandschaft über das Geschehen. Asiatische Elemente und elektronische Rhythmen vermischen sich.

Am Ende großer Jubel des Publikums!
 

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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