Was tun? In der Geschichte, die Aristophanes geschrieben und Peter Hacks nachgedichtet hat, beginnt an dieser Stelle eine aberwitzige Rettungsaktion: Der Bauer Trygaios fliegt auf einem riesigen Mistkäfer zum Himmel, um den Frieden zurückzuholen. Fast zweieinhalbtausend Jahre später hat diese Ausgangslage nichts von ihrer grotesken Einfachheit verloren. Krieg, der wieder Gegenwart geworden ist, bestimmt für manche die politische Sprache, für andere den Lebensalltag selbst. Frieden dagegen wird zugleich immer schwerer vorstellbar. Aber Frieden ist keine abstrakte Idee: Er muss ausgegraben, erkämpft und gefeiert werden.
Christina Friedrich, die nicht nur Theaterregisseurin, sondern auch prominente Filmautorin und Schriftstellerin ist, bringt in „Der Frieden“ jenen universalen Einsatz künstlerischer Formen auf die Bühne, bei dem Wirklichkeit durch Sprache, Bilder, Rhythmus und Montage immer wieder neu zusammengesetzt werden kann. Und macht damit sichtbar, was das Theater ausmacht: die reale Anwesenheit vieler Menschen und die Möglichkeit eines gemeinsamen Rituals. Auf der Bühne wird der Frieden nicht diskutiert, sondern beschworen. Gesungen, gespielt und getrickst wird hier ebenso wie erzählt. Etwas soll ganz konkret in Bewegung geraten. Eigens für die Aufführung konstruierte Maschinen vollbringen auf offener Bühne kleine und größere Wunder. Die Lust am Herstellen der Illusion bleibt dabei sichtbar. Sie gehört zu einer Komödie, die für einige Stunden die Möglichkeit behauptet, dass die Dinge auch anders sein könnten. Dazu braucht es viele.
Neben dem Schauspielensemble des Staatstheaters steht der Cottbuser Musikspatzen e. V. und die Mitglieder der Singakademie Cottbus e.V. auf der Bühne. Gemeinsam bilden sie einen Chor im heutigen Sinne: Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen kommen für diesen Abend zusammen. Sie singen, spielen, beobachten, greifen ein und werden Teil des Geschehens. Der Chor schafft dabei etwas sehr Konkretes: eine Gemeinschaft auf Zeit. Auch die Musik bewegt sich selbstverständlich zwischen Zeiten und Formen. Für diese Inszenierung wurde von Mark Scheibe eigens neue Musik komponiert; Schlager, Chorgesang und Spielmannsmusik gehören ebenso dazu.
Feierliches und Populäres, Kunst und Unterhaltung, politische Rede und magische Momente können unvermittelt aufeinandertreffen. Aus diesen verschiedenen Elementen formt sich ein Theaterabend, der die alte Komödie aus der Gegenwart heraus erzählt. Denn die Frage, die Aristophanes vor fast zweieinhalbtausend Jahren seiner Komödie eingeschrieben hat, ist wieder von großer Dringlichkeit: Wie lässt sich Frieden denken, wenn Krieg zur beherrschenden Realität geworden ist? Das Theater kann darauf seine eigenen Antworten versuchen – mit Sprache und Musik, mit Körpern, Bildern, Maschinen und der gemeinsamen Vorstellungskraft eines ganzen Saals. Die Komödie besitzt dabei eine besondere Freiheit. Sie darf die Verhältnisse auf den Kopf stellen, das Unwahrscheinliche für möglich erklären und daraus eine Handlung machen. Bei Aristophanes steigt ein Bauer auf einen Mistkäfer und fliegt zu den Göttern. In Cottbus setzt sich dafür ein riesiger Theaterapparat in Bewegung. Denn bevor Frieden Wirklichkeit werden kann, muss jemand auf die ziemlich kühne Idee kommen, ihn überhaupt wieder darzustellen.
REGIE UND FASSUNG Christina Friedrich
BÜHNE Petra Maria Wirth
KOSTÜM Susanne Uhl
MASKENBILDKÜNSTLERIN Karolina Jansova
KOMPOSITION UND MUSIK Mark Scheibe
KÖRPERARBEIT Kiri Haardt
BILDENDER KÜNSTLER Daniel Folwatschni
VIDEO Greta Markurt
SPRECHERZIEHUNG UND VERSLEHRE Peggy Marmuth
MUSIKALISCHE PROBEN Hans Petith
DRAMATURGIE Olga Fedyanina
MIT Mario Fuchs, Markus Paul, Charlotte Müller, Nathalie Schörken, Sophie Bock, Jonas Schlagowsky, Gunnar Golkowski, Daniel Séjourné, Cottbuser Musikspatzen e. V., Thorsten Coers, Mirko Buggel, Roland Knappe, Frank Ristau, Gerald Siebert
Weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit:
Samstag, 24. Oktober 2026, 19:30 Uhr, Großes Haus
Donnerstag, 19. November 2026, 19:30 Uhr, Großes Haus
Freitag, 11. Dezember 2026, 19:30 Uhr, Großes Haus
Donnerstag, 17. Dezember 2026, 19:30 Uhr, Großes Haus
Sonntag, 17. Januar 2027, 16:00 Uhr, Großes Haus
Samstag, 13. Februar 2027, 19:30 Uhr, Großes Haus
Sonntag, 07. März 2027, 19:00 Uhr, Großes Haus


