
»Es ist egal, ob nur einer kämpft oder zehntausend; wenn der eine merkt, er muss kämpfen«, entgegnet Otto Quangel bei der Verhaftung seinem Gegenspieler, Kommissar Escherich, der ihn erbarmungslos mit der Wirkungslosigkeit seiner Taten konfrontiert. Der Widerstand, dem Hans Fallada 1946 ein Denkmal frei von Kitsch und Pathos setzt, ist kein heroischer. Der Anstand basiert nicht auf kritischer Reflexion, politischer Überzeugung oder gutem Herzen. Er kommt aus dem Willen zu ihm. Otto und Anna Quangel finden einen eigenen Ausdruck und wachsen an ihrem Widerstand. Als Menschen, als Liebespaar, als Teil der Zivilgesellschaft.
Vom Schicksal der Quangels erfuhr Fallada aus einer Gestapo-Akte. Fasziniert von der »Banalität des Bösen« (Hannah Arendt) wie vom aussichtslosen Widerstand der kleinen Leute erschuf er ein ambivalentes Gesellschaftspanorama. Er beschreibt mit ungeheurer Plastizität, was eine Diktatur sowohl beim Individuum als auch in der Gesellschaft anrichtet. Dabei lauscht er seinen Mitmenschen ihre eigene Art zu fühlen und zu sprechen ab. Jede Figur ist vielschichtig, nahbar, anrührend und dennoch als Mitläufer und Täter zu Feigheit und Grausamkeit fähig.
Regisseurin Nora Schlocker, interessiert genau diese Fragen: Wie gelingt es, in demokratiefeindlichen Zeiten anständig zu bleiben? Was geben wir der nächsten Generation mit und für welchen Weg entscheidet diese sich? Was können und müssen wir tun, um unsere Werte zu verteidigen? Wie können wir gegen Vereinzelung und Angst an einem gesellschaftlichen Wir arbeiten? Wie Zivilcourage trainieren – damals wie heute?
— in einer Fassung von Nora Schlocker und Birgit Lengers
Regie Nora Schlocker
Ausstattung Jana Findeklee und Joki Tewes
Musik Lars Wittershagen
Licht Christian Schmidt
Dramaturgie Birgit Lengers
Otto Quangel Florian Lange
Anna Quangel Cathleen Baumann
Frau Rosenthal, Hete Häberle, Richter Feisler Friederike Wagner
Emil Barkhausen, Karl Hergesell, Dirigent Reichardt, SS-Obergruppenführer Claudius Steffens
Kommisar Escherich, Scharfrichter Jürgen Sarkiss
Trudl Baumann, SS-Gruppenführer Blanka Winkler
Enno Kluge, Ulrich Heffke Ingo Tomi
Eva Kluge, Grigoleit, Oberarzt Martens Melanie Lüninghöner
Kammergerichtsrat Fromm, Vater Persicke, SS-Gruppenführer Rainer Philippi
Baldur Persicke Adrian Geulen / Raphael Abilgaard
Kuno Dieter Barkhausen Maxim Kirsa-Straubel / Julian Lambrozov
Jungen und Mädchen aus Kunos Bande, Kinder der Persickes, Ottilein Kassandra Giftaki, Julian Lambrozov, Sena Kaya, Theodor Taprogge, Veronika Regent
So, 13.04. / 16:00
Schauspielhaus, Großes Haus
Mi, 07.05. / 19:00
Schauspielhaus, Großes Haus
Do, 15.05. / 19:00
Schauspielhaus, Großes Haus
Di, 24.06. / 19:00
Schauspielhaus, Großes Haus