
Wenn Inge noch mitbekommen hätte, wie sehr in den letzten drei Jahren unsere Gesellschaft ins rechte und rechtsextreme Lager abgedriftet ist, wäre sie auf die Barrikaden gegangen und hätte uns allen Dampf gemacht. Streitbar, kämpferisch, laut und klug hat sie sich ihr ganzes Leben lang gegen Rechtsextremismus, Autoritarismus und Faschismus engagiert. Wohlwissend, dass diese Ideologie nicht nur auf Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung aufbaut, sondern ebenso auf Antifeminismus, Frauenhass und Sexismus.
„Inge Deutschkron hat sich ihr Leben lang für eine bessere Welt eingesetzt, sie hat uns gelehrt, durch ihre eigene Geschichte die Welt mit ihren Augen zu sehen. Sie hat über ihr Erlebtes erzählt und geschrieben, und uns mitgenommen in ihre radikale humanistische Sichtweise auf die Politik und Gesellschaft. Und sie hat als Zeitzeugin mit vielen Kindern und Jugendlichen gesprochen, ihnen zugehört und mit der ihr eigenen humorvollen und liebenswerten Art dazu beigetragen, nicht nur einen Blick auf die Geschichte zu werfen, sondern Visionen für die Zukunft des menschlichen Zusammenlebens zu entwerfen.“ (GRIPS-Leiter Philipp Harpain)
Wer mehr über ihr Überleben während des Nationalsozialismus wissen möcht: "Ab heute heißt du Sara" (nach ihrer Biographie "Ich trug den gelben Stern") - es gibt noch einige Karten. Ein Besuch des Museums Blindenwerkstatt "Otto Weidt" am Hackeschen Markt ergänzt den Theaterbesuch auf sehr eindrückliche und berührende Weise.
Theaterstück von Volker Ludwig und Detlef Michel
nach dem autobiographischen Bericht "Ich trug den gelben Stern"
von Inge Deutschkron
Inge Deutschkron wächst in Berlin in einem sozialdemokratischen Haus auf, Religion hat für die Familie keine Bedeutung. 1933 eröffnet die Mutter der Zehnjährigen, dass sie „Jüdin“ ist. Nur langsam begreift Inge, was das für sie bedeuten wird. Die Deutschkrons sind fest davon überzeugt, dass der „braune Spuk" bald vorüber geht und ertragen die demütigenden Gesetze der Nazidiktatur mit stoischer Ruhe.
"Ab heute heißt du Sara!", sagt ein Polizeibeamter 1938 zu der 16-jährigen Inge und stempelt ein "J" in ihren Ausweis – "J" wie Jude. Von nun an ändert sich alles im Leben der selbstbewussten Berlinerin. Inge und ihre Mutter bleiben in Berlin - wie alle Juden der Ächtung und Verfolgung durch die Nazis ausgeliefert. Otto Weidt, der Besitzer einer Blindenwerkstatt, stellt Inge, allen Gesetzen zum Trotz, in seinem Büro an. Doch nach dem Beginn der Deportationen 1941 sehen sich Inge und ihre Mutter gezwungen, „unterzutauchen“.
Das Stück erzählt von der Angst der Verfolgten, von den Menschen, die Inge und ihrer Mutter geholfen haben und die für sie „stille Helden“ wurden, es erzählt von einer verlorenen Kindheit und nicht zuletzt vom kämpferischen Mut eines jungen Mädchens, das nicht aufgibt.
Regie: Uwe Jens Jensen
- Regie Neubesetzung: Michaela Hanser
- Bühne Rekonstruktion: Jan A. Schroeder
- Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
- Kostüme: Yoshio Yabara
- Choreographie: Neva Howard
- Musikalische Leitung: Matthias Witting
- Musik: Hansgeorg Koch
- Inge Deutschkron: Jennifer Breitrück
- Ella Deutschkron, Inges Mutter: Regine Seidler
- Martin Deutschkron, Eschhaus, Basch, u.a.: Thomas Ahrens
- Lisa Holländer, Frau Hohenstein: Hanna Petkoff
- Klara, Ali, Grete Sommer, Beamtin, u.a.: Ariane Fischer
- Lotte, Lily Blumentahl, Käte Schwarz. u.a.: Julia Blankenburg
- 1. Polizeibeamter, Otto Weidt, u.a.: Dietrich Lehmann
- 2.Hitlerjunge, 1. Gestapo-Mann, Russki, Hefter. u.a.: Jens Mondalski
- 1. Hitlerjunge, 2. Polizeibeamter, Kurt, Hans Freudenthal, u.a.: Christian Giese
- 2. Gestapo-Mann, Max Blumenthal, Blinder, Kremp, Walter Rieck, u.a.: Jörg Westphal
- Frau Gumz, Frau Garn, Frau Lehmann u.a.: Michaela Hanser
- Fotograf, Dr. Hoffmann, Wachtmeister Lemke, Kriminalobersekretär Prüfer, Dr. Ostrowski, u.a.: René Schubert
- Keyboards: Matthias Witting
- Trompete, Keyboards: David »Skip« Reinhart
- Percussion, Keyboards: Martin Fonfara
- Soundprogrammierung: Robert Neumann
- Dramaturgie: Tobias Diekmann
- Theaterpädagogik: Oana Cîrpanu
- Regieassistenz: Erik Veenstra
Es gibt jetzt noch einige Karten für "Ab heute heißt du Sara"
am Sa., 15.3., 18 Uhr (mit Audiodeskription): Tickets
am So., 16.3., 18 Uhr: Tickets
Empfohlen ab 15 Jahren