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BEWEGENDE EINBLICKE IN DEN KLINIK-ALLTAG -- "Zwischen Zuversicht und Leben" von Regine Kölpin im Piper Verlag

Februar 2026

ALEXANDER WALTHER 18.02.2026

Diese Hebammen-Saga führt in die Jahre 1978/1979 nach Wesermarsch zurück. Regine Kölpin, die selbst Hebamme war, schildert hier eindringlich, wie die junge Hebamme Esther werdende Mütter bestmöglich versorgt und immer wieder gegen überholte Ansichten kämpft. Der starre Klinikalltag mit seinen strengen Abläufen wird regelrecht karikiert und manchmal auch bloßgestellt.

© Piper Verlag

 Das Motto lautet: Wirklicher Fortschritt braucht Mut und manchmal auch ungewöhnliche Wege. Die Schneekatastrophe von 1979 bildet hier eine große Zäsur. Sie legt das öffentliche Leben still. Ein verzweifelter Hilferuf erreicht Esther. Es wird in spannender Weise geschildert, wie sie in dieser entscheidenden Nacht nicht nur dem tobenden Sturm trotzt, sondern auch um das Leben zweier Menschen kämpft. Die Autorin sagt selbst, dass sie zu Beginn der 1980er-Jahre selbst in einer Klinik tätig war und die damalige Geburtsmedizin kenne. Dies merkt man dem Roman deutlich an. Außerdem habe sie einen engen Bezug zu diesem Beruf, da ihre älteste Tochter Hebamme sei. Es sei für sie sehr inspirierend gewesen, das Ganze mit der erlebten Schneekatastrophe zu koppeln. Esther, die sie als Figur sehr möge, sei eine zugewandte Frau, die sich gegen Widrigkeiten durchsetze und dies mit großem Einsatz tue. 

Die SPIEGEL-Bestsellerautorin betont, dass sie als fünffache Mutter sehr gut wissen würde, wie es sei, wenn ein Kind im Bauch heranwachse und wenn man das kleine Wesen dann zum ersten Mal im Arm halte. Allein die Vorstellung, nicht selbstbestimmt und im Einklang mit der Hebamme durch die neun Monate und die Geburt zu gehen, berühre sie. Sie sei froh, wie positiv sich viele Dinge zugunsten der Frauen verändert hätten. Die Autorin sagt: "Es gibt andere Romane, die sich mit dieser Schneeflut beschäftigen, aber die ich gefunden habe, spielen in Schleswig-Holstein oder Hamburg. Ich wollte den Schwerpunkt jedoch in der Wesermarsch und in Friesland ansiedeln, denn hier war es ähnlich dramatisch, und ich habe es in der Region selbst miterlebt." Das Ende des Romans klingt dann betont optimistisch: "Esther hob den Kopf in den Nacken und breitete die Arme weit aus, um die morgendlichen Sonnenstrahlen ganz zu erhaschen. Bald würde die nächste werdende Mutter ihre Hilfe brauchen. Und sie würde für sie da sein. Immer und mit ganzer Kraft. Ganz so, wie sie es sich einst geschworen hatte. Was für ein wunderbarer Tag! Sie war auf ihrer eigenen Reise angekommen, auf der sie die Route bestimmen konnte." 

Diese "Hebammen-Saga" von Regine Kölpin bietet jedenfalls interessante Einblicke in den Klinikalltag, die sehr authentisch und nie aufgesetzt wirken. Alles hat einen optimistischen, lebensbejahenden Unterton, der dem Leser ein positives Bild vermittelt. Deswegen ist der Text lesenswert. 

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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