Ein Fluss tritt über die Ufer und es kommt zutage, was zu lang am Grund lag. Da treiben ein rotes Kleid, ein Fahrrad, eine Halskette, löchrige Schuhe, … und da treibt eine Frauenleiche. Vielleicht auch mehr als eine. Drei Generationen und ihre Lebensgeschichten treffen im endlosen Strom des Flusses in STAUBFRAU aufeinander. Da ist die Großmutter. Ihre beste Freundin wurde als junge Frau von einem Mann erst ungelenk umworben, dann vergewaltigt und schließlich ermordet. Da ist eine Mutter, die die Demütigungen in ihrer gewaltvollen Ehe still ertrug und keinen Ausweg fand. Und da ist die Jüngste, auch eine Mutter, die in ihrer Beziehung immer wieder häuslicher Gewalt ausgesetzt ist. Die versucht, Karriere und Care Work in Einklang zu bringen. Immer wieder will sie gehen, will ihren Mann verlassen, doch Zweifel holen sie ein: Ist er nicht ein guter Vater, den alle mögen? Ist alles überhaupt so schlimm? Und ist sie nicht selbst schuld? Ihre Zeit läuft rückwärts, bis es 21:54 Uhr ist und der Körper zu Staub zerfällt.
Dem Fluss der Gewalt können die Frauen nicht entkommen, doch die Jüngste versucht, sich gegen den Strom zu stemmen, nicht bloß weiter zu treiben, versucht Muster abzulegen, die Frauen über Generationen verinnerlicht haben. Femizide werde gerne als Eifersuchtsdrama, Beziehungstat, Trennungstötung beschrieben, aber sie sind Mord aus patriachalen Motiven. Gewalt gegen Frauen ist kein Thema der Vergangenheit und noch immer findet sie hauptsächlich in den eigenen vier Wänden statt.
Mit STAUBFRAU hat Maria Milisavljević eine vielstimmige poetische Anklageschrift gegen das Patriarchat geschrieben – einen kraftvollen Text über Femizid und strukturelle Gewalt an Frauen. Einen Text, der das Schweigen bricht: Die Scham muss die Seite wechseln. Mit vielen ihrer Stücke wie STAUBFRAU oder Blutschwester über Gewalt gegen Frauen und weibliche Wut, zeigt Milisavljević wie tief patriarchale Strukturen in Familie, Medizin, Justiz und Theater stecken – und wie Kunst Frauen Stimme und Sichtbarkeit gibt.
Maria Milisavljević ist eine international erfolgreiche und vielfach ausgezeichnete Theaterautorin. Ihre Stücke wurden u. a. ins Englische, Spanische, Französische, Portugiesische, Niederländische, Serbische, Bulgarische, Japanische und Koreanische übersetzt. Von 2013 bis 2020 war sie Hausautorin am Tarragon Theatre in Toronto, Kanada. Aufgeführt wurden ihre Texte an renommierten europäischen Theatern wie dem Deutschen Theater Berlin, dem Burgtheater in Wien, dem Residenztheater München, dem Schauspielhaus Zürich sowie international an Häusern in New York, London, Tokyo, Brasilien und Mexiko.
Sie wurde für ihre Arbeit u. a. mit dem Kleistförderpreis für junge Dramatik sowie mit dem Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts und dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis ausgezeichnet. Ihr Stück STAUBFRAU wurde 2025 sowohl mit dem Mülheimer Dramatikpreis wie auch dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2026 wird Maria mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.
Regie Jula Marie Kühl Ausstattung Marie Häusner Musik Helene Brack Choreografie Ben Rentz Dramaturgie Carmen Wolfram und Sarah Tzscheppan
Mit Ursula Grossenbacher, Alina Heipe, Lydia Stäubli

